Seit dem 16. Lebensjahr im Rollstuhl
Jassin galt als „palästinensischer Bin Laden“

Im September hatte der gelähmte Scheich bereits einen Bombenangriff überlebt, dieses Mal war der 67-Jährige den Raketenangriffen wehrlos ausgeliefert. Der an den Rollstuhl gefesselte Hamas-Gründer war für die Palästinenser dennoch eine Schlüsselfigur.

HB GAZA-STADT. Für die Palästinenser war Scheich Ahmed Jassin ungeachtet seiner Behinderung eine Schlüsselfigur im Kampf gegen Israel. Sie nannten den vom Hals an abwärts gelähmten Mann mit dem langen grauen Bart und der Fistelstimme, der seit einem Sportunfall in seinem 16. Lebensjahr im Rollstuhl saß, „Scheich der Intifada“.

Den „Märtyrertod“ hat Jassin, der Besucher in einem schlichten Zimmer im Erdgeschoss seines Hauses in Gaza-Stadt zu empfangen pflegte, nach seinen Worten nie gefürchtet. „Nur die Feigen sterben jeden Tag, der Mutige stirbt nur ein einziges Mal“, sagte der im Alter von 67 Jahren getötete Mann.

Er wurde nach eigenen Angaben am 17. Juni 1936 nahe der heute israelischen Stadt Aschkalon geboren. Während des ersten israelisch-arabischen Krieges von 1948 floh er mit seiner Familie in den damals ägyptischen Gazastreifen. Dort gründete er 1973 ein islamisches Zentrum, später die Hamas.

Scheich Jassin, der in eine Decke gehüllt im seinem Rollstuhl saß und ständiger Betreuung bedurfte, wurde 1983 erstmals von den Israelis festgenommen. Er kam dann zwei Jahre später im Austausch gegen gefangene israelische Soldaten frei. 1988 wurde er erneut festgesetzt und 1989 zu lebenslanger Haft verurteilt. Jassin wurde 1997 gegen zwei israelische Mossad-Agenten ausgetauscht, die nach einem fehlgeschlagenen Attentat auf den Hamas-Führer Chaled Maschal in Jordanien verhaftet worden waren. Wenige Tage später bereiteten ihm seine Anhänger in Gaza einen triumphalen Empfang.

Für Israelis war Jassin Führer einer terroristischen Organisation, die in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von tödlichen Anschlägen verübt hat. Im September vergangenen Jahres hatte Jassin bereits einen Bombenangriff auf ein Haus überlebt. Der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas bezeichnete Jassin nach seiner Tötung als „palästinensischen Bin Laden“.

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