Seit Tagen vermisst
Mysteriöser Tod eines Ministers sorgt in der Ukraine für Bestürzung

Nach der Präsidentenwahl in der Ukraine hat der mysteriöse Tod von Transportministers Georgi Kirpa (58) für Unruhe und Bestürzung in der politischen Führung des Landes gesorgt. Kirpa war am Montagabend erschossen in seinem Wochenendhaus aufgefunden worden.

HB KIEW. Es sei bereits der zweite Todesfall im Umfeld des scheidenden Präsidenten Leonid Kutschma sowie des beurlaubten Regierungschefs Viktor Janukowitsch, teilten Politiker der Opposition am Dienstag in Kiew mit. Die Generalstaatsanwaltschaft leitete ein Strafverfahren gegen unbekannt wegen „Verleitung zum Selbstmord“ ein.

Der oberste Leiter der als korrupt geltenden Eisenbahnbehörde war am Montagabend erschossen in seinem Wochenendhaus außerhalb der ukrainischen Hauptstadt entdeckt worden. Neben dem Leichnam Kirpas fand die Polizei eine Pistole sowie eine Patronenhülse. Generalstaatsanwalt Swjatoslaw Piskun machte am Tatort keine Angaben, ob es sich um Selbstmord oder Mord handelte.

Die Opposition vermutete Mord als Todesursache. „Kirpa war ein willensstarker Mann. Ich glaube nicht an einen Selbstmord“, sagte der Parlamentsabgeordnete Alexander Gudima von der Fraktion Unsere Ukraine. Nach unbestätigten Medienberichten soll ein „ranghoher Staatsbeamter“ Kirpa kurz vor dessen Tod besucht haben.

Der im Jahr 2002 zum Transportminister ernannte Kirpa galt in Regierungskreisen als der „beste Manager“ Kutschmas. Nach der ersten Stichwahl am 21. November soll es zu einem Zerwürfnis mit dem damaligen Regierungschef und Präsidentschaftskandidaten Janukowitsch gekommen sein. Nach Medienberichten soll Janukowitsch den Minister Kirpa niedergeschlagen haben.

Im Gegensatz zu anderen Behördenleitern habe Kirpa das Heer der Bahnangestellten nicht ausreichend unter Druck gesetzt, damit alle Untergebenen für Janukowitsch stimmen, hieß es. Oppositionsmedien berichteten zudem, Kirpa habe sich in den vergangenen Wochen geweigert, Janukowitsch kostenlos Eisenbahnzüge für dessen Anhänger zur Verfügung zu stellen. Eine Bestätigung dafür lag nicht vor. Die Opposition zog Parallelen zum Tod eines Financiers aus dem Umfeld von Kutschmas Präsidialamtsleiter Viktor Medwetschuk Anfang Dezember. Der Bankdirektor Juri Ljach war unter ungeklärten Umständen in seinem Kiewer Büro ums Leben gekommen.

Das Lager des beurlaubten Regierungschefs Janukowitsch, der im Wahlkampf zunächst massiv von Kutschma und dessen Umfeld unterstützt wurde, wies eine Beteiligung am Tod Kirpas zurück. Der Mann, der den Minister zuletzt besucht hatte, sei ein Vertreter der Opposition gewesen, sagte Janukowitschs Vertreter bei der Wahlkommission, Nestor Schufritsch. Jener Besucher habe Kirpa mitgeteilt, dass Kirpa nach dem Amtsantritt des voraussichtlich neuen Präsidenten Viktor Janukowitsch sein Amt als Transportminister verlieren werde.

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