Selbstmord-Attentat
Zwei Nato-Soldaten in Afghanistan getötet

Einen Tag vor Beginn des Nato-Gipfels in Riga sind im Süden Afghanistans zwei kanadische Soldaten bei einem Selbstmordanschlag ums Leben gekommen. Der Täter steuerte ein mit Sprengstoff beladenes Auto in einen Militärkonvoi und brachte es zur Explosion.

HB KANDAHAR. Auch ein afghanischer Passant sei getötet worden, sagte der Polizeichef der Provinz Kandahar am Montag. Ein NATO-Sprecher bestätigte den Tod von zwei Soldaten der internationalen Sicherheitstruppe ISAF, nannte aber nicht ihre Nationalität. Die beiden Soldaten waren an einem Wiederaufbauprojekt im Distrikt Pandschwai beteiligt. Dort will Deutschland eine Straße bauen. In der Gegend um Kandahar sind vorwiegend kanadische Soldaten stationiert.

Der Einsatz in Afghanistan dürfte beim Nato-Gipfel in Riga von Dienstag an eines der Hauptthemen sein. Deutschland hat seine Soldaten im Norden stationiert, der bislang als sicher gilt. Mehrere Nato-Länder, darunter die USA und Kanada, hatten jüngst darauf gedrungen, dass die Bundeswehr auch im höchst unsicheren Süden aktiv wird. Die Bundesregierung lehnt dies ab.

Unterdessen hat Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer den deutschen Einsatz in Afghanistan vor dem Treffen in der lettischen Hauptstadt gewürdigt. Deutschland habe seinen Beitrag in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht, sagte er der Bild-Zeitung. „Da kann man wohl kaum von fehlendem Willen der Bundesregierung sprechen.“ SPD-Fraktionschef Peter Struck (SPD) bekräftigte indes die Haltung der Bundesregierung: Es werde kein neues Bundestagsmandat für deutsche Kampftruppen im Süden Afghanistans geben, sagte Struck am Sonntag im ZDF.

Generalsekretär: „Unsere Truppen im Süden können ihren Auftrag voll erfüllen“

Die Nato-Botschafterin der USA verlangte von den Verbündeten mehr Flexibilität, nannte dabei aber nicht ausdrücklich Deutschland. In einer Situation, in der das Unerwartete geschehen kann, müssten alle solidarisch miteinander umgehen, mahnte Victoria Nuland im ZDF. „Und wir müssen so weit wie nur möglich flexibel sein und unsere Truppen verlegen, wenn der Isaf-Kommandeur sie anfordert“, mahnte die Botschafterin.

De Hoop Scheffer lobte dagegen ausdrücklich die Bundeswehr, die sich in Sachen Mut und Professionalität im Einsatz hinter niemandem verstecken müsse. Die Nato brauche zudem keine größere, dauerhafte Verstärkung ihrer Truppen. „Unsere Truppen im Süden können ihren Auftrag voll erfüllen“, sagte er. Lediglich Zahl und Ausrüstungsstand entsprächen noch nicht vollständig dem von den Alliierten beschlossenen Bedarf. „Diese Defizite müssen wir gemeinsam beseitigen.“

Deutschland hat rund 3000 Soldaten im relativ friedlichen Norden Afghanistans im Einsatz. Nach dem Bundestagsmandat sind allenfalls kurzfristige Einsätze in anderen Gebieten des Landes möglich. Im Süden liefert sich die Nato seit Monaten harte Kämpfe mit Taliban-Rebellen. Die radikal-moslemischen Taliban wurden Ende 2001 gestürzt. Sie haben sich seither auf ihre Kerngebiete um Kandahar konzentriert und ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet zurückgezogen.

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