Selbstmordanschläge
El Kaida rühmt sich des Terrors von Algier

El Kaida überzieht nun auch Algerien mit blutigem Terror: Das Netzwerk von Osama Bin Laden hat sich zu zwei Selbstmordanschlägen in der Hauptstadt Algier mit mindestens 24 Toten bekannt. Nun geht in dem nordafrikanischen Land die Angst vor einer Neuauflage des religiös motivierten Extremismus' der 1990er Jahre um.

HB ALGIER/DOHA. Der in Katar ansässige Fernsehsender Al Dschasira meldete am Mittwochnachmittag, ein Anrufer habe sich bei ihm gemeldet und im Namen einer El Kaida-Unterorganisation aus dem Maghreb im Norden Afrikas erklärt, man habe die beiden Sprengsätze gezündet. Selbstmordattentäter hatten am Vormittag zwei Bomben explodieren lassen - einen vor dem Amtssitz von Ministerpräsident Abdelaziz Belkhadem und einen vor einer Polizeikaserne in einem Vorort von Algier.

Der Minister für nationale Soldidarität, Jamal Walad Abbas, gab die Zahl der Todesopfer mit 24 und die Zahl der Verletzten mit 143 an. Vor dem Regierungsgebäude habe der Attentäter unter anderem zwei Polizisten, eine schwangere Frau und zwei Kinder aus einem benachbarten Kindergarten mit in den Tod gerissen. Der Attentäter habe versucht, vor dem Gebäude, in dem neben dem Ministerpräsidenten-Amt das Innenministerium untergebracht ist, eine Polizeisperre zu durchbrechen. Als ihn die Beamten gestoppt hätten, habe er seine Autobombe gezündet.

Inoffizielle Angaben aus Krankenhäusern lassen den Schluss zu, dass bei den beiden Anschlägen mehr als 30 Menschen ums Leben kamen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind nach ersten Informationen keine Deutschen unter den Opfern. Anwohnern zufolge handelte es sich um den schwersten Bombenanschlag im Zentrum der Hauptstadt seit den 1990er Jahren. Durch die Wucht der Detonation wurde ein Loch in die Fassade des Gebäudes gerissen.

Trümmer und Glasscherben wurden über mehrere Häuserblöcke verstreut. Dutzende Krankenwagen rasten zum Tatort. Sanitäter trugen blutende und verbrannte Opfer zum Teil mit bloßen Händen aus dem Regierungsgebäude. Er habe zunächst an ein Erdbeben geglaubt, sagte der Rechtsanwalt Tahar bin Taleb. Dann habe ihn seine weinende Frau angerufen und er sei nach Hause geeilt. „Dort waren alle Spiegel und Fenster zersprungen.“

Die 25-jährige Leila Aissaoui stand weinend vor dem Regierungsgebäude und sagte: „Ich dachte, die Zeit der Anschläge sei vorüber. Das war ein großer Fehler, den ich nicht glauben mag.“ Nach der Annulierung einer 1992 von Islamisten gewonnenen Parlamentswahl war das nordafrikanische Land in einen Bürgerkrieg gestürzt. Dabei kamen bis zu 200 000 Menschen ums Leben. Nach mehreren Amnestien für Untergrundkämpfer ebbte die Gewalt wieder ab, obwohl sie in der Bergregion um Algier niemals ganz endete.

Seit sich die fundamentalistische „Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf“ im Januar in „El-Kaida-Organisation für den islamischen Maghreb“ umbenannte, haben die Gewalttätigkeiten wieder zugenommen. Die Gruppe hat sich zu einer Serie von Anschlägen auf Sicherheitskräfte und Ausländer bekannt und sich Gefechte mit Regierungstruppen geliefert. Zuletzt kamen laut Medienberichten vom Montag bei Schießereien neun Soldaten und mindestens vier Islamisten ums Leben.

Im Nachbarland Marokko waren am Dienstag bei Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften vier mutmaßliche Extremisten getötet worden. Die Polizei fahndete Presseberichten zufolge am Mittwoch nach weiteren Selbstmordattentätern, die die Sicherheit der Bürger und des Staates gefährdeten. Regierungsvertreter wollten die Berichte unter Hinweis auf den laufenden Einsatz nicht kommentieren. Terrorismus-Experten zogen die Darstellung der marokkanischen Regierung in Zweifel, bei den so genannten Gotteskriegern handele es sich um „Eigengewächse“, von denen keine ernsthafte Gefahr ausgehe. Es müsse Verbindungen ins Ausland geben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%