Selbstmordanschlag
Mindestens fünf Tote nach Attentat im Irak

Die Gewalt im Irak hört nicht auf: Bei einem Selbstmordanschlag auf das Innenministerium sind fünf Menschen ums Leben gekommen. Droht im Irak ein Bürgerkrieg? Jetzt hat sich der UN-Sonderbeauftragte dazu geäußert.
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Bagdad/BerlinMit einem Selbstmordanschlag auf das Innenministerium in Bagdad hat sich die jüngste Welle der Gewalt im Irak fortgesetzt. Nach Angaben von Ärzten kamen bei der Explosion einer Autobombe am Montag mindestens fünf Menschen ums Leben, mindestens 27 wurden verletzt.

Der Irak durchlebt derzeit eine schwere politische Krise, die vor allem von Differenzen zwischen der schiitischen Mehrheit und der sunnitischen Minderheit geprägt ist. Seit dem Abzug der US-Soldaten aus dem Land vor gut einer Woche kam es zu einer Reihe von blutigen Anschlägen. Erst am Donnerstag wurden allein in Bagdad 60 Menschen getötet.

Der UN-Sonderbeauftragte für den Irak, der deutsche Diplomat Martin Kobler, erwartet „nicht, dass es zu einem Bürgerkrieg kommt“. Es gebe eine „politische Blockade“ im Irak. „Das Land steht vor großen Sicherheitsproblemen, das haben die Anschläge gezeigt“, sagte Kobler dem in Berlin erscheinenden „Tagesspiegel“.

„Ich habe die Terrorakte aufs Schärfste verurteilt und die politische Führung im Land aufgefordert, ihrer Verantwortung gerecht zu werden.“ Kobler sagte weiter, er sei weder optimistisch noch pessimistisch. „Ich bin realistisch und bewerte die Fakten. Der Irak verfügt heute über Sicherheitskräfte, deren Zustand weit besser ist als noch vor wenigen Jahren. Der Irak wird nicht zerfallen.“

Präsident Dschalal Talabani stellte sich trotz der Unruhen am Wochenende schützend vor seinen per Haftbefehl gesuchten Stellvertreter Tarek el Haschemi. Als das Wachpersonal des Innenministeriums das Haupttor öffnete, um Mitarbeiter hineinzulassen, führte der Attentäter seine Tat aus: Er steuerte nach Angaben eines Ministeriumsvertreters sein mit Sprengstoff beladenes Auto um 07.30 Uhr (Ortszeit, 05.30 Uhr MEZ) durch die Absperrung auf das Gelände und zündete die Bombe.

Talabani nahm am Wochenende seinen per Haftbefehl gesuchten Stellvertreter Haschemi in Schutz. Einen Prozess gegen den Sunniten Haschemi könne es erst geben, wenn zuvor Sicherheitsgarantien gewährleistet worden seien, erklärt Talabani am Samstag. Der Vize wird seit Anfang der Woche gesucht, weil er unter dem Verdacht steht, Terroranschläge unterstützt und finanziert zu haben. Er setzte sich daraufhin in die Kurdengebiete im Norden des Landes ab.

Auch Talabani ist ein Kurde. Er erklärte, Haschemi stehe unter seinem Schutz. Sobald es entsprechende "Sicherheiten" gebe, könne Haschemi sich den Justizbehörden stellen, erklärte Talabani. Der Nachrichtenagentur AFP sagte Haschemi am Sonntag, dass er "natürlich nicht" nach Bagdad zurückkehre, da dort seine Sicherheit nicht gewährleistet sei. Die Justiz sei "unter der Kontrolle der Regierung", begründete er. Haschemi äußerte seinerseits den Verdacht, dass die Anschläge vom Donnerstag mit 60 Toten von der Regierung mit zu verantworten sind, die unter der Leitung des Schiiten Nuri el Maliki steht.

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