Selbstmordattentäter töten fast 100 Menschen im Irak – Erste Anklagepunkte im Saddam-Prozess
Terroristen wollen Bagdad erobern

Die Gewalt im Irak hat am Wochenende einen neuen blutigen Höhepunkt erreicht. Bei einer Serie von Anschlägen wurden in der Hauptstadt Bagdad und Umgebung mehr als hundert Menschen getötet. Die Terror-Organisation El Kaida kündigte zudem im Internet weitere Gewalttaten an, um so die irakische Hauptstadt „zu erobern“.

HB BAGDAD. Bei dem schwersten Selbstmordanschlag an einer Tankstelle nahe einer schiitischen Moschee südlich von Bagdad starben am Samstag nach Angaben aus Krankenhäusern 98 Menschen. Der Attentäter sprengte sich laut einem Polizeisprecher neben einem Tanklaster in die Luft und löste damit eine gewaltige Explosion aus. Wie Augenzeugen und die Polizei berichteten, rannte er auf den Laster zu, als dieser langsam an der Tankstelle manövrierte, und zündete seine Bombe. Die Tankstelle liegt in der Innenstadt. Umliegende Häuser fingen Feuer. Ort des Anschlags war die etwa 60 Kilometer südlich von Bagdad gelegene Stadt Mussajjib.

In einem der El Kaida zugeschriebenen Bekennerschreiben hieß es: Der „Hassan-Ibrahim-al-Saidi-Angriff“ werde fortgesetzt. „Der Einsatz läuft wie geplant weiter und wir warnen die Feinde Gottes, dass mehr auf sie zukommt. Wir rufen unsere moslemischen Brüder in aller Welt auf, für unseren Sieg zu Gott zu beten.“ Am Freitag waren bei Selbstmord- und anderen Anschlägen bereits mindestens 32 Menschen getötet worden.

Am Sonntag setzten die Aufständischen ihre Anschlagswelle mit Autobomben an Kontrollstellen der Polizei fort. Am Morgen raste ein Auto in eine Polizeipatrouille in Bagdad. Bei der anschließenden Bombenexplosion wurden zwei Polizisten und eine Zivilperson getötet, wie die Polizei mitteilte. Etwa eine Stunde später sprengte sich nahe eines Polizeikonvois im Süden der Hauptstadt ein weiterer Selbstmordattentäter in seinem Auto in die Luft. Dabei wurden an einer Bushaltestelle drei Polizisten und vier Zivilpersonen getötet. Ein dritter Anschlag verfehlte wenig später einen US-Militärkonvoi, traf jedoch einen Kleinbus und riss sechs Zivilpersonen in den Tod. Neun weitere Menschen wurden bei der Bluttat in der Stadt Mahmudija 30 Kilometer südlich von Bagdad verletzt, wie die Polizei mitteilte. Im Osten der Hauptstadt detonierte in der Nähe einer Polizeistreife eine Autobombe offenbar vorzeitig. Ein Polizist und zwei Zivilpersonen wurden getötet.

In den Prozess gegen den früheren Diktator Saddam Hussein kam unterdessen Bewegung. Das Sondertribunal in Bagdad brachte am Sonntag erste Anklagepunkte gegen den früheren Machthaber vor. Richter Raed Dschuhi sprach von einer neuen Phase in dem Verfahren. Die Anklagepunkte beziehen sich nach Informationen des US-Nachrichtensenders CNN auf eine Welle von Hinrichtungen nach einem Attentatsversuch auf Saddam Hussein im Jahr 1982 in der Kleinstadt Dedscheel. Saddam hatte nach dem fehlgeschlagenen Attentatsversuch das Stadtzentrum aus der Luft bombardieren und Dutzende von Männern hinrichten lassen.

Die Sitzungen des Gerichts könnten in einigen Tagen beginnen, sagte Dschuhi. Diplomaten zufolge bezog sich der Richter eher auf Vorverhandlungen als auf den eigentlichen Prozess. Saddam ist seit seiner Festnahme Ende 2003 in Haft. Es wurde erwartet, dass er wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt wird. Bislang galt ein Prozessbeginn vor oder im August als unwahrscheinlich. Zuerst müssen alle Ermittlungen abgeschlossen sein, bevor die Prozesseröffnung verkündet werden kann.

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