Selbstmordattentat
Zwei Tote bei Explosion vor US-Botschaft in Ankara

Eine Explosion nahe der US-Botschaft hat die türkische Hauptstadt Ankara erschüttert. Mehrere Menschen wurden nach ersten Angaben verletzt, es soll auch zwei Tote geben. Behörden sprechen von einem Selbstmordattentat.

IstanbulBei einem Selbstmordanschlag auf die US-Botschaft in der türkischen Hauptstadt Ankara sind zwei Menschen getötet worden, darunter der Attentäter. Außerdem kam nach Angaben der Behörden ein türkischer Wachposten ums Leben. Der Angreifer drang demnach am Freitag in die Botschaft über einen Seiteneingang ein und zündete im Inneren des Gebäudes seinen Sprengsatz. Die Eingangspforte wurde aus den Angeln gerissen, Mauerwerk flog durch die Luft, Rauch stieg auf. Ansonsten schien das Gebäude aber intakt zu sein. Mit Gewehren bewaffnete Polizisten riegelten das Gebiet ab, am Himmel kreiste ein Polizeihubschrauber.

US-Botschafter Ricciardone trat kurz nach dem Anschlag begleitet von Sicherheitskräften aus dem Haupteingang vor Journalisten und bestätigte, dass einer der türkischen Wachleute ums Leben kam. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Innenminister Muammer Güler sagte aber, der Angreifer habe einer linksradikalen Gruppe angehört. Vermutlich handle es sich um eine Organisation, die als extrem anti-amerikanisch gilt. Die beiden Nato-Staaten USA und Türkei sind schon lange Verbündete. In den vergangenen Wochen trafen rund 400 US-Soldaten im Land ein, um gemeinsam mit deutschen und niederländischen Kameraden die Grenze zum Bürgerkriegsland Syrien mit Patriot-Abwehrraketen zu sichern.

„Dieses Ereignis zeigt, dass wir gemeinsam überall in der Welt gegen diese terroristischen Elemente kämpfen müssen“, sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der sich zum Zeitpunkt des Anschlags in Istanbul aufhielt. Medienberichten zufolge war der Attentäter Mitglied der Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C). Der 30-Jährige soll in den 90er Jahren auch an Angriffen auf eine Polizeiwache und auf eine Militärakademie beteiligt gewesen sein. Die DHKP-C, die von der EU, den USA und der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird, fordert einen sozialistischen Staat und gilt als entschieden anti-amerikanisch. Sie beklagt einen zu starken Einfluss der US-Außenpolitik in der Türkei. Auf das DHKP-C-Konto soll unter anderem ein Angriff auf eine Polizeiwache in Istanbul am 11. September 2012 gehen, dem elften Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center in den USA.

Das US-Konsulat in Istanbul mahnte Amerikaner in der Türkei zu besonderer Vorsicht und riet ihnen, sich vorerst von amerikanischen Vertretungen in dem Land fernzuhalten. Das britische Generalkonsulat in Istanbul empfahl britischen Unternehmen in der Türkei, besonders wachsam zu sein und Sicherheitsvorkehrungen zu ergreifen.

In Ankara berichtete der Inhaber eines etwa 100 Meter entfernten Reisebüros von einer gewaltigen Explosion. „Am Boden lag etwas, das wie ein Leichenteil aussah.“ Ein weiterer Zeuge sagte, die Detonation sei eineinhalb Kilometer entfernt zu hören gewesen. Das US-Außenministerium teilte mit, gemeinsam mit der türkischen Polizei den Vorfall zu untersuchen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Vizepräsident Joe Biden in Berlin, sie sei bestürzt über den Vorfall und sprach ihr Beileid aus.

Die Türkei ist einer der Staaten, die sich mit am deutlichsten für ein internationales Eingreifen in Syrien ausgesprochen haben, wo Präsident Baschar al-Assad seit fast zwei Jahren versucht, einen Aufstand niederzuschlagen. Tausende syrische Flüchtlinge harren in der Türkei aus, die bereits mehrfach von syrischem Gebiet aus beschossen wurde. Die USA, Deutschland und die Niederlande haben zum Schutz ihres Nato-Partners an der Grenze Abwehrraketen in Stellung gebracht.

US-Soldaten sind aber nicht nur wegen des Patriot-Einsatzes im Land, sie betreiben auch ein Nato-Radarsystem im Osten der Türkei, das unter anderem zum Schutz gegen eine mögliche Bedrohung durch den Iran dienen soll. Innenminister Güler sagte, die Gruppe, der der Attentäter angehörte, könne die DHKP-C oder eine ähnlich ausgerichtete Organisation sein. Allerdings wurden in der Türkei in der Vergangenheit auch zahlreiche Anschläge von rechtsradikalen Gruppen, Islamisten oder der verbotenen Kurdische Arbeiterpartei PKK verübt.

Das US-Außenministerium kündigte an, gemeinsam mit der türkischen Polizei den Vorfall zu untersuchen. Das Konsulat in Istanbul mahnte Amerikaner in der Türkei zu besonderer Vorsicht und riet ihnen, sich vorerst von amerikanischen Vertretungen in dem Land fernzuhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich während eines Berlin-Besuchs von US-Vizepräsident Joe Biden über den Anschlag bestürzt.

Auslandsvertretungen der USA wurden bereits häufiger Ziel von Angriffen, etwa im September vergangenen Jahres im ostlibyschen Bengasi, wo der US-Botschafter und drei andere Amerikaner getötet wurden, als Extremisten das dortige Konsulat stürmten. 1998 starben Hunderte bei Anschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%