Seltene Erden
Japan sichert sich Nachschub aus Vietnam

Japan treibt seine Bemühungen um eine größere Unabhängigkeit von China bei der Versorgung mit den wichtigen High-Tech-Rohstoffen Seltene Erden voran. Nach einer Vereinbarung mit Indien schloss die Regierung nun auch ein Kooperations-Abkommen mit Vietnam.
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HB HANOI. Japan werde sich an der Förderung der für die Industrie wichtigen Metalle in dem südostasiatischen Land beteiligen, sagte Ministerpräsident Naoto Kan am Sonntag am Rande eines Treffens asiatisch-pazifischer Staaten in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. Einem Regierungsvertreter zufolge sicherte sich Japan die Rechte an einem Bergwerk in der nordwestlichen Provinz Lai Chau.

In dem vietnamesischen Bergwerk können den Angaben nach jährlich bis zu 3 000 Tonnen Seltene Erden abgebaut werden. Damit könne Japan zehn Prozent seines Bedarfs decken. Zwar sicherte Chinas Außenminister Yang Jiechi seiner US-Kollegin Hillary Clinton auf dem Treffen am Samstag zu, dass sein Land den Weltmarkt mit den für die Hightech-Branche wichtigen Seltenen Erden weiter beliefern werde. China wolle nicht, dass der Export der Erden zu einem außenpolitischen Problem werde, erklärte Yang nach Angaben aus US-Regierungskreisen. China werde die Seltenen Erden nicht als diplomatisches, politisches oder ökonomisches Druckmittel einsetzen. Dennoch wollen sich die USA, Japan und europäische Industrieländer verstärkt nach Alternativen umschauen. Japan hatte erst kürzlich eine Zusammenarbeit mit Indien bei der Erschließung und Förderung Seltener Erden vereinbart.

Seltene Erden sind Metalle, die vor allem in der Technologiebranche, aber auch bei der Produktion von Wind- und Sonnenenergie oder Hybrid-Motoren gebraucht werden. China hat bei der Förderung mit 97 Prozent weltweit fast ein Monopol und will Förderung und Export einschränken, um nach eigener Darstellung seine Ressourcen zu schonen. Auch die deutsche Wirtschaft klagt über zunehmende Engpässe bei der Versorgung.

Autozulieferer wie Bosch nutzen Seltene Erden bei der Herstellung von Elektromotoren. Eine besonders wichtige Rolle spielen sie bei Smartphones wie Apples iPhone oder den BlackBerrys von Research in Motion.

Seltene Erden sind zwar anders als ihr Name es vermuten lässt weltweit verbreitet. Bei der Förderung lief China jedoch anderen Staaten wie den USA den Rang ab, weil es billiger produziert und weniger Vorschriften für den Umweltschutz macht.

Die größten Verbraucher sind China, Japan und die USA, die eine starke Technologiebranche haben. Wegen der zunehmenden Bedeutung der Umwelttechnologien wird mit einem steigenden Bedarf an den Rohstoffen gerechnet.

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