Seltener Besuch: Assad an der Front

Seltener Besuch
Assad an der Front

Seit dem Frühjahr 2011 tobt in Syrien ein blutiger Bürgerkrieg. Staatschef Baschar al-Assad zeigte sich in dieser Zeit nur selten öffentlich. Nun stattete er seinen Truppen an der Front einen Besuch ab.
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DamaskusIn einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte hat der syrische Machthaber Baschar al-Assad in der Silvesternacht Truppen des Regimes in einem umkämpften Gebiet besucht. Die syrische Nachrichtenagentur Sana verbreitete am Donnerstag Bilder, die den Staatschef im Osten der Hauptstadt Damaskus in Gesprächen mit Soldaten an der Front zeigen sollen.
„Wenn es in Syrien noch einen Grund zur Freude gibt, dann ist das den Siegen zu verdanken, die Sie gegen den Terrorismus erringen“, sagte Assad nach Angaben der Präsidentschaft an die Soldaten gerichtet. Anschließend inspizierte er Stellungen der Soldaten und aß mit ihnen. Die TV-Bilder von dem Auftritt waren mit patriotischen Liedern unterlegt.

Bei dem Besuch im Schutz der Dunkelheit war Assad ganz in Schwarz gekleidet, wohl aus Angst vor Angriffen von Regimegegnern. In Dschobar wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle am Tag von Assads Besuch mindestens 25 Soldaten und regierungstreue Milizen getötet. Sie kamen demnach bei Kämpfen mit Anhängern der Al-Nusra-Front ums Leben, dem syrischen Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.
In Syrien tobt seit dem Frühjahr 2011 ein blutiger Bürgerkrieg zwischen Armee und Regimegegnern. Allein im vergangenen Jahr sind nach Angaben von Menschenrechtlern mehr als 76.000 Menschen ums Leben gekommen – es war wohl das blutigste Jahr seit Beginn des Konfliktes.

Beinahe jedes vierte Opfer in dem blutigen Konflikt war 2014 ein Zivilist, wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag mitteilte. Unter den Toten waren demnach 3500 Kinder und fast 2000 Frauen.
Zudem seien mehr als 22.600 syrische Soldaten und andere Kämpfer des Regimes getötet worden. Extremistische Gruppen wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und die radikal-islamische Al-Nusra-Front hätten fast 17.000 Anhänger in ihren Reihen verloren.
Seit Ausbruch des Bürgerkriegs im Frühjahr 2011 sind in Syrien mindestens 200.000 Menschen ums Leben gekommen. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sitzt in der Nähe von London. Sie stützt sich bei ihren Informationen über den Bürgerkrieg auf ein Netz von Informanten in Syrien.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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