Seminar für Manager
Business-Knigge auf Russisch

Wer in Putins Reich Geschäfte machen will, muss einiges beachten. Bei der Firmenkultur läuft vieles anders als in Europa. Deshalb lernen Manager, wie sie versteckte Fallstricke umgehen. Ein Lehrgangsbesuch.
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DüsseldorfRussland ist widersprüchlich – darin sind sich alle einig. 20 Manager aus ganz Deutschland sitzen an diesem Abend im Forum der Düsseldorfer Industrie- und Handelskammer (IHK) zusammen. Sie wollen lernen, wie man im größten Land der Welt stilsicher Geschäfte macht.

Allein sind sie damit nicht. Schon zum zweiten Mal veranstaltet die IHK den Lehrgang „Ländermanager/in Russland“. Dort bereitet sie Führungskräfte auf die manchmal versteckten Fallstricke vor, die hinter jedem Russlandgeschäft lauern. Und der Andrang ist groß: Wie schon der erste Termin ist auch der zweite komplett ausgebucht.

Dicht an dicht reihen sich so die Namensschilder auf den Tischen des „Klassenzimmers“. Mehr als die Hälfte lässt auf einen osteuropäischen Hintergrund ihrer Träger schließen. Tatsächlich kommen viele Teilnehmer aus Russland oder den ehemaligen GUS-Staaten.

Wie Vitali Preis. Der gelernte Bergbauingenieur ist bei einem Schmierstoffhersteller für das Osteuropa-Geschäft zuständig. Trotz seines Vorwissens ist er hier – um seine Kenntnisse „auszubauen“, wie er sagt. „Das Private und das Geschäftliche sind in Russland häufig vermischt“, sagt Lehrgangsleiterin Andrea Gebauer im Forum der Düsseldorfer Industrie- und Handelskammer (IHK). Seit 20 Jahren hat sie beruflich mit dem größten Land der Welt zu tun. Zehn davon hat sie selbst in Moskau gelebt. „Es braucht seine Zeit, um die russische Mentalität und Geschäftskultur zu verstehen.“

Als Leiterin des Russland-Kompetenzzentrums der IHK sagt Gebauer: „Die Kultur verspeist die Strategie zum Frühstück.“ Projekte scheiterten oft an den weicheren Faktoren, aber das gelte nicht nur für Russland. Das fängt beim Personal an: „Russische Mitarbeiter erwarten klare Anweisungen und eine enge Führung und Kontrolle.“ Mit einem kooperativen Führungsstil kämen sie dagegen nicht so gut zurecht, so die Seminarleiterin.

Anders als in Deutschland, wo es möglicherweise als Affront gelten könne, einen Mitarbeiter mehrfach auf einen Abgabetermin hinzuweisen. Es sind Unterschiede wie diese, die russische Geschäftsbeziehungen manchmal schwierig machen. Aktuell kommt aber noch die Ukraine-Krise hinzu.

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