Seoul vermutet Verhandlungstaktik
Nordkorea kündigt Bau weiterer Nuklearwaffen an

Ein Jahr nach dem Ausbruch des internationalen Konflikts um ein geheimes Atomprogramm treibt Nordkorea die Provokation auf neue Spitzen. Das kommunistische Land hat nach eigenen Angaben die Aufbereitung von 8 000 abgebrannten Atombrennstäben abgeschlossen und will nun weitere aufbereiten.

bas TOKIO. Nordkorea habe bei dem Vorgang Plutonium gewonnen, um „die nukleare Abschreckung“ zu stärken, ließ ein Sprecher des Außenministeriums über die amtliche Nachrichtenagentur KCNA mitteilen.

Nordkoreas Vize-Außenminister Choe Su Hon sagte der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua in New York, Nordkorea werde seine nukleare Kapazität zur Selbstverteidigung ausbauen, aber die Atomwaffen nicht exportieren. Mit dem Plutonium aus der Wiederaufbereitung der 8 000 Brennstäbe könnte Nordkorea Experten zufolge innerhalb weniger Monate mehrere Atombomben bauen. Der US-Geheimdienst geht davon aus, dass Nordkorea bereits ein bis zwei Atombomben besitzt.

In Seoul bezweifelten Regierungsvertreter, dass Pjöngjang so schnell in der Lage sei, die Aufbereitung abzuschließen. Es handle sich um Verhandlungstaktik, mit der Nordkorea versuche, seine Position vor einer neuen Gesprächsrunde über das Atomprogramm zu verbessern. Diese wird für November erwartet. Nordkorea fühlt sich durch die stärkeren Kontrollen des Schiffsverkehrs durch die USA und deren Partner weiter unter Druck gesetzt und wirft den Amerikanern vor, sie planten die Invasion Koreas. Das einzige Druckmittel, das Pjöngjang in der Hand hat, ist die Fähigkeit, Atomwaffen zu bauen. Bei Gesprächen mit den USA und China im April hatte Nordkorea bereits gesagt, die Wiederaufberei-tung der 8 000 Brennstäbe sei in der Endphase.

1994 hatte Nordkorea im Austausch gegen Energie- und Wirtschaftshilfen zugesichert, sein Atomprogramm einzustellen, dann aber heimlich weiter an Nuklearwaffen gearbeitet. Im Oktober vergangenen Jahres konfrontierten die USA das Land mit entsprechenden Hinweisen. Nordkorea trat daraufhin aus dem Atomwaffensperrvertrag aus und verwies die Inspektoren der Internationalen Atomaufsichtsbehörde des Landes.

Zum Diplomatiespiel Nordkoreas gehört es derzeit auch, seit Tagen zu verkünden, man werde nach den letzten Verhandlungen in Peking Ende August an keinen internationalen Verhandlungen mehr teilnehmen. Nordkorea-Experten zufolge bleibt dem Land, das seine Bevölkerung nur über Nahrungsmittelhilfen aus dem Ausland ernähren kann, jedoch gar keine andere Wahl. Seouls Vereinigungsminister Jeong Se-Hyun ist derzeit in den USA, um dort für eine diplomatischere Haltung gegenüber Pjöngjang zu werben.

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