Separatismus

Katalonien treibt Spaniens Spaltung voran

Eine Welle des Separatismus schwappt über die Region im Nordosten Spaniens – sie könnte zur Unabhängigkeit der Region führen. Die Regierung in Madrid zeigt sich unversöhnlich.
16 Kommentare
Tausende Katalanen demonstrieren für ein unabhängiges Katalonien - wie hier in Barcelona im September (Archivbild). Quelle: dpa

Tausende Katalanen demonstrieren für ein unabhängiges Katalonien - wie hier in Barcelona im September (Archivbild).

(Foto: dpa)

MadridDie Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens lassen sich kaum stoppen. Die Regierung der spanischen Region ist weiterhin fest entschlossen, binnen vier Jahren ein Referendum über die Unabhängigkeit abzuhalten, auch wenn ein solches Vorhaben gegen die spanische Verfassung verstößt. Der Konflikt zwischen Barcelona und der Zentralregierung in Madrid spitzt sich immer mehr zu.

Der Regierungschef Kataloniens, Artur Mas, galt bis vor wenigen Monaten als ein gemäßigter Nationalist. Im Programm seiner konservativen Partei Convergència i Unió (CiU), wird die Unabhängigkeit der Region nicht angestrebt. Dennoch hat Mas sich wie kein katalanischer Regierungschef zuvor an die Spitze einer Bewegung gesetzt, die die Abspaltung von Spanien vorantreiben will. Bei den Separatisten wird Mas inzwischen als Held des katalanischen Separatismus gefeiert.

Auslöser der Radikalisierung des katalanischen Ministerpräsidenten waren die im Sommer gescheiterten Verhandlungen mit der Zentralregierung über einen Fiskalpakt. Mas wollte erreichen, dass die Regierung von Mariano Rajoy in Madrid die geforderten Steuerabgaben Kataloniens, der wirtschaftlich stärksten Region Spaniens, zugunsten der weniger entwickelten Regionen mäßigen würde. Rajoy erteilte Mas jedoch eine klare Absage. Daraufhin beschleunigte sich der Lauf der Ereignisse: Mas setzte Neuwahlen in Katalonien für den 25. November an, zwei Jahre früher als vorgesehen, und kündigte eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Kataloniens an, falls seine Partei die Wahlen mit Abstand gewinnen werde.

Jüngste Umfragen geben dem katalanischen Regierungschef Rückenwind: Sie sagen der nationalistischen Regierungspartei CiU einen klaren Wahlsieg voraus. Zudem ergab eine von der Regionalregierung in Auftrag gegebene Umfrage, dass nicht weniger als 74,1 Prozent der Katalanen den Weg in die Unabhängigkeit befürworten. Im Juni hatten bei einer ähnlichen Befragung nur 51,1 Prozent die Gründung eines selbstständigen katalanischen Staates befürwortet.

Katalonien versetzt Madrid in Alarmbereitschaft
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

16 Kommentare zu "Separatismus: Katalonien treibt Spaniens Spaltung voran"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Spanien wird seine Einheit nicht verlieren! Es wird keinen Staat 'Katalonien' geben! Außerdem ist es ja nicht korrekt das ein Stamm sozusagen, denn die Katalanen sind ein spanisches Volksstamm, die Unabhängigkeit fordern! Katalanen sind kein Volk, sondern ein fester Bestandteil des spanischen Volkes! Gott helfe und beschütze Spanien!

  • Spanien ist laut Verfassung unteilbar. Es hat seit deren Erstellung im Dezember 1978 noch keine Änderungen gegeben.
    Es wird keinen Staat Katalonien geben. Diese Bewegung ist mehrheitlich nicht unterstützt. Das ganze Theater wird regelmässig hochgepuscht um von den viel grundliegenderen Problemen wie die Finanzkrise oder die Massenarbeitslosigkeit abzulenken. Keine Angst also. Es wird keinen zusätzlichen Pleitestaat geben.

  • @goeasyway: das Dritte_Welt-Land Bayern, das Sie als so rückständig hinstellen, hatte zB. eine Akademie der schönen Künste, die international ziemlich gut angeschrieben war und wo berühmte Künstler wie zB. De Chirico zum Studieren nach Bayern kamen. Ich verweise hier auch auf Ludwig den I.

    Was Sie hier nachblöken, hat mit der etwas anderen Sprache zu tun. Die Norddeutschen nahmen sich nämlich schon immer als Mass aller Dinge und alles, was davon abwich, war schlecht bzw. minderwertig. Hat zu ziemlich vielen Verbrechen geführt übrigens, diese Art des Denkens, wie zB. in den Kolonien. Diesem Denken hatten wir auch die deutsche Ausprägung des Faschismus zu verdanken.
    Man kann nämlich alles rechtfertigen, wenn ich der Beste bin und der Rest der Menschheit primitiv.
    Schon schade, dass diese Art des Denkens noch immer sehr verbreitet ist in den nördlichen Gefilden. Hat nämlich auch dazu beigetragen, warum D so in den Verruf kam, nämlich durch die deutschen Spiessbürger und wo fand bzw. findet man die, doch eher in preussischen Gefilden.

  • Man kann den Katalanen nur Erfolg wünschen.

  • Sorry, dieser Kommentar gehört zu einem anderen Beitrag.

  • " CSU-Parteitag
    . Seehofer sucht den Super-Nachfolger "

    Wenn das aber der des Plagiat-Betrugs überführte Freiherr, Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, sein sollte, stellt sich der "CHRISTLICHE" (ich) SEH SCHWARZ-Verein" ein kaum mehr zu steigerndes Negativzeugnis aus. „Nach der Wahl werde ich mich darum bemühen“, sagte Seehofer und belegt damit, daß Begriffe Anstand, Charakter, Ehre, Wahrheit o.ä. in der Politik zur Kategorie "FREMDWORTE" gehören und Betrug zum politischen Alltag gehört.

    Nun ja, der Freiherr wäre in guter Gesellschaft. Und es gab ja bereits schon einmal einen gräflichen Vorbestraften, der als Ex-Minister ein besonders geehrtes Mitglied einer Partei war.

    Wie lautet doch der politische "Amtseid":
    " Ich schwöre, daß ... "
    JA was eigentlich?

  • "Die Entwicklungen in Katalonien ließen bei der Regierung in Madrid die Alarmglocken läuten. Kaum ein Tag vergeht seither, ohne dass ein Mitglied der Regierung Rajoy die Unabhängigkeitsbestrebungen in Katalonien scharf verurteilt und auf deren vermeintlich katastrophale Konsequenzen hinweist. Allen voran Rajoy, der den katalanischen Separatismus als „kolossalen Unsinn“ und „Spektakelstück“ einstuft. Er beschuldigte sowohl die katalanischen als auch die baskischen Separatisten, sie wollten Spanien schlicht „kaputtmachen“.

    Das ist eins zu eins auf den Gesamtzustand der EU übertragbar.

  • " Spanien:
    . Katalonien steuert auf die Abspaltung zu "

    WETTERLEUCHTEN !!!

    Irgend einer muß ja den Anfang machen, und Englands Ausstieg aus der EU-Polizeiarbeit dient doch auch nur Vorbereitung zum Totalausstieg (trotz immer wieder verlangter -und leider oft genug erhaltener- Sonderregelungen) aus dem EU-Haufen. Vielleicht kann dann die schottische Abspaltung noch verhindert werden. (Glaube ich aber nicht, weil die Schotten zwar kurze Röcke, aber keinen kurzen Verstand haben.)

    Dasselbe gilt für Belgien: Die Flamen wollen doch schon wieder von den Wallonen los. Die Liga Nord will von Italiens Rest als Zahlmeister weg und in Südtirol mehren sich die Stimmen, sich ebenfalls von Italien zu lösen und eigenständig zu werden oder sich Österreich anzuschließen. Auch Finnland spielt nicht mehr mit und die allerneueste Ohrfeige für Gleichmacherei und Sparkurs ist in Litauen mit der Abstrafung der Regierung zu verzeichnen.

    Und wenn der Großinvestor SOROS empfiehlt, daß Deutschland entweder (überzogen formuliert) die Schulden der ganzen EU übernimmt oder aus dem Euro austritt, KANN NUR DER AUSTRITT EMPFOHLEN WERDEN.

    "MUTTI" sollte jetzt mal endlich mit ihrer zentralistischen (DDR-) Einheitspolitik aufhören. Prof. Höhler hat sie nicht umsonst DIE PATIN genannt.

    WETTERLEUCHTEN sollte der ERLEUCHTUNG dienen, nicht dem ABSCHALTEN (nicht nur vom Strom, sondern) von all dem, was dafür Sorge trug, daß die Menschen GERNE in Deutschland leb(t)en und sich auch gerne DEUTSCHE/R, so wie andere FRANZOSE, ITALIENER, SPANIER usw., nannten. Was inzwischen - auch Dank "Mutti" - aus Deutschland, dem ehemaligen Land der Dichter und Denker, geworden ist, kann mit einem Gebäudebegriff aus der Tierhaltung trefflich beschrieben werden.

  • Und ich wette, dass die neuen autonomen Staaten alle sofort Aufnahme in Euroland finden würden. Das ist alternativlos. Denn wenn jemals ein Pleiteland erkennen würde, dass es außerhalb des Euro gar nicht pleite wäre, würden alle sofort austreten und die ganze schöne Ideologie wäre kaputt. Das können die Eliten Europas keinesfalls zulassen... Daraus folgt, dass es im europäischen Zusammenhang - ich bitte um Entschuldigung - scheißegal ist, ob sich ein Staat in x autonome Staaten splittet. Man wird Maßnahmen ergreifen, die diese sofort in den Eurokontext überführen werden. Freiwillig oder nicht... Natürlich nur mit demokratischen Mitteln.

  • Zitat Marco 99:
    „ Ein Europa der autarken Regionen ist in meinen Augen die Antwort der Menschen auf ein von der Politik aufoktroyiertes Zwangszusammenwachsen mit all den negativen Entwicklungen, die wir täglich beobachten können.“

    Dem kann man nur ausdrücklich zustimmen. Wir wollen kein bürokratisches, undemokratisches Monstrum.

    Wenn dann noch die schwachsinnige degressive Proportionalität bei der Stimmengewichtung abgeschafft wird, die sicherstellt, dass im Europaparlament auf ewig die Deutschen die Deppen bleiben, DANN hat Europa vielleicht sogar eine Zukunft.

    So wie es jetzt ist, jedenfalls nicht.
    Dann hat auch der der Ausspruch Seehofers eine wichtige Bedeutung: wir sind solidarisch – ab er nicht dumm.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%