Separatisten in Libyen
Nervenkrieg um nordkoreanischen Frachter

Vor der Küste wartet ein Frachter unter nordkoreanischer Flagge, Separatisten halten Raffinerien besetzt und drohen mit Krieg, die Regierung lässt das Militär aufmarschieren - Libyen steht vor der Eskalation.
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Im Streit um den Verkauf von Öl an Nordkorea steuern die libysche Regierung und die Separatisten auf eine militärische Konfrontation zu. Das Parlament in Tripolis ordnete am Montag eine Militäroperation an, um die von kriminellen Banden und Separatisten besetzten Öl-Verladehäfen wieder unter staatliche Kontrolle zu bringen.

Das Parlament und die religiösen Autoritäten des nordafrikanischen Landes riefen zudem Revolutionsbrigaden aus der Zeit des Krieges gegen die Truppen von Ex-Machthaber Muammar al-Gaddafi zu den Waffen. Diese sollen helfen, ein Auslaufen des nordkoreanischen Öltankers zu verhindern, der seit dem Wochenende im Hafen von Al-Sidra liegt.

Breika Biltamer, ein Mitglied des politischen Rates der Separatisten aus Al-Brega, sagte lokalen Medien in der Nacht zum Montag, der Tanker werde auf seinem Weg in internationale Gewässer von einer „Schutzmacht der Autonomieregion“ begleitet werden. Ein Angriff auf das Schiff würde zu einem Bürgerkrieg führen. Die Anwältin sagte weiter, es gebe außer den Nordkoreanern noch andere potenzielle Abnehmer für das Öl aus dem Autonomiegebiet.

Die Regierung in Tripolis hatte am Wochenende bereits mehrere mit Waffen bestückte Schiffe und Boote in die Nähe des Hafens von Al-Sidra geschickt, um den illegalen Ölexport mit dem Tanker notfalls mit Gewalt zu verhindern. Dieser kleinen Seestreitmacht sollen sich auch ehemalige Revolutionäre aus Misrata mit ihren Booten angeschlossen haben.

Die „Morning Glory“ hatte nach Angaben der Separatisten am Sonntag in Al-Sidra Rohöl geladen. Die Anführer der östlichen Separatistenbewegung gelten vielen Libyern als Verbrecherbande, die sich vor allem durch die Besetzung der Anlagen der staatlichen Ölgesellschaft bereichern will.

Parlamentspräsident Nuri Abu Sahmein hatte in der vergangenen Woche bei einer Konferenz der sogenannten Gruppe der Freunde Libyens in Rom an die Staatengemeinschaft appelliert, illegale Öl-Exporte aus Libyen zu verhindern.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • wieder mal ein Krisenherd - hat hie nicht auch der Westen für Sicherheit, Ordnung, Ruhe und Demokratie gesorgt?

    Wie schon in Afghanistan, Irak und in diversen andere Ländern ...

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