Serbenproteste gegen Festnahmeversuch
Karadzic ist wieder entkommen

Der bosnische Serbenführer Radovan Karadzic, der als Kriegsverbrecher gesucht wird, ist wieder einmal seiner Festnahme entkommen. Am frühen Donnerstagmorgen hatten rund 40 Nato-Soldaten die Serbenhochburg Pale bei Sarajevo abgeriegelt und Karadzic in einer orthodoxen Kirche gesucht.

HB SARAJEVO. Dabei wurden im benachbarten Pfarrhaus der serbisch-orthodoxe Priester und sein Sohn lebensgefährlich verletzt. Hunderte Serben demonstrierten in Pale gegen den Nato-Einsatz und die Verletzung der beiden Landsleute.

Die von der Nato geführte Friedenstruppe Sfor habe vor der Operation glaubwürdige Hinweise erhalten, dass sich Karadzic in Pale aufhalte, sagte Sfor-Sprecher Dave Sullivan in Sarajevo. Zuletzt hatten die Sfor-Truppen im Januar vergeblich versucht, den meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher aus dem früheren Jugoslawien festzunehmen.

Das Uno-Tribunal in Den Haag hatte Karadzic 1995 wegen Kriegsverbrechen, Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstößen gegen die Genfer Konventionen angeklagt. Er ist seitdem auf der Flucht, die ihm ein Netz von Fluchthelfern und sein Ansehen bei serbischen Nationalisten erleichtern.

Die internationale Staatengemeinschaft wirft der jetzigen Führung der bosnischen Serben vor, nichts zur Festnahme von Karadzic und anderen Angeklagten unternommen zu haben. Auch die neue Regierung Serbiens, die unter Ministerpräsident Vojislav Kostunica jede Zusammenarbeit mit dem Uno-Kriegsverbrechertribunal abgebrochen hat, wird deswegen international kritisiert.

Aus diesem Grund haben die USA ihre Hilfen für Serbien und Montenegro eingefroren. Die US-Regierung rief die Führung in Belgrad auf, angeklagte Kriegsverbrecher festzunehmen und auszuliefern. Dies bezieht sich insbesondere auf Ratko Mladic, den Befehlshaber der Serbenarmee während des Krieges 1992-1995 in Bosnien, der sich in Serbien versteckt halten soll.

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