Serbien
Milosevics wird in Heimatstadt beerdigt

Slobodan Milosevics wird jetzt in seiner Geburtsstadt Pozarevac beerdigt. Diese Gelegenheit werde die Anhänger des im Uno-Kriegsverbrechergefängnis gestorbenen früheren jugoslawischen Präsidenten nutzen. Russische Ärzte stärken ihre Kritik am Uno-Tribunal.

HB BELGRAD. Die Trauerfeier für den im Uno- Kriegsverbrechergefängnis gestorbenen jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic wird am Samstag in Belgrad stattfinden. Das teilte der sozialistische Spitzenpolitiker und Vertraute der Milosevic- Familie, Milorad Vucelic, am Mittwoch in Belgrad mit. Die Beerdigung werde anschließend in seiner Geburtsstadt Pozarevac südöstlich der Hauptstadt stattfinden. Der Verstorbene werde am Samstagmittag mit einer Trauerzeremonie, an der möglichst viele Menschen teilnehmen sollen, in das nahe gelegene Pozarevac verabschiedet. Die Industriestadt Pozarevac, eine Hochburg der Milosevic-Anhänger, liegt 50 Kilometer südöstlich von Belgrad. Über den Ort der Beisetzung hatte es in den vergangenen Tagen zwischen der Familie und der serbischen Regierung Streit gegeben. Neben Belgrad wurde auch Moskau, wo die Familie lebt, als möglicher Bestattungsort genannt.

Die extremen nationalistischen Radikalen, die größte politische Kraft im Lande, haben alle pensionierten Offiziere aufgerufen, in ihren Festuniformen am Begräbnis teilzunehmen. Milosevics Witwe Mirjana Markovic will nach Angaben eines russischen Abgeordneten nicht an der Beisetzung in Serbien teilnehmen. Es sei ungeheuerlich, dass die Führung von Serbien-Montenegro ihr keine Sicherheitsgarantien gegeben habe, sagte der nationalistische Politiker Sergej Baburin, der Kontakte zur Familie Milosevic unterhält, im Fernsehen. Ein serbisches Gericht hatte am Dienstag einen Haftbefehl gegen die wegen Machtmissbrauchs gesuchte Markovic ausgesetzt, jedoch erklärt, bei der Einreise werde ihr Pass eingezogen

Das Unterhaus des russischen Parlaments, die Duma, machte in einer einstimmig verabschiedeten Erklärung den Haager Gerichtshof für den Tod Milosevics verantwortlich und fordert die baldige Abschaffung des Tribunals. Das Gericht habe dem am Samstag an einem Herzinfarkt gestorbenen 64-Jährigen keine angemessene medizinische Versorgung zukommen lassen, heißt es in der Erklärung. Dies sei eine schwere Menschenrechtsverletzung.Der Chef der Moskauer Herz-Kreislauf-Klinik Bakulew, Leo Bokeria, sagte in Den Haag, er sei sich mit den niederländischen Kollegen einig, dass der frühere jugoslawische Präsident an Herzversagen gestorben sei. Milosevics Leben hätte jedoch durch eine Behandlung in Moskau gerettet werden können. „Wenn der Patient ausreichend untersucht worden wäre, könnte er heute noch leben“, sagte Bokeria. Die russische Regierung hatte ihn und andere Ärzte zu einer Überprüfung der Autopsie in die Niederlande geschickt, weil sie den Ergebnissen nicht getraut hatte. Milosevics Leiche war unter Beteiligung serbischer Gerichtsmediziner obduziert worden.

Das Tribunal erklärte am Mittwoch, es erwäge, Dokumente zum Fall Milosevic freizugeben, darunter Informationen zum Gesundheitszustand und der Behandlung des Expräsidenten. Es gibt Spekulationen über ein Medikament, das Milosevic ohne ärztliche Anordnung eingenommen hatte.

Dem früheren serbischen und jugoslawischen Präsidenten wurden insgesamt 66 Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und im Kosovo in den 90er Jahren zur Last gelegt. Milosevic saß seit Juni 2001 im Hochsicherheitstrakt des Haager Tribunals. Der Prozess zog sich wegen langwieriger Verfahrensstreitigkeiten sowie wiederholter Krankheit des Angeklagten in die Länge.

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