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30.09.2008 
Überraschende Initiative

Serbiens Präsident erwägt Kosovo-Teilung

Im Streit um die seit einem halben Jahr selbstständige frühere südserbische Provinz Kosovo hat Serbiens Präsident Boris Tadic erstmals eine mögliche Teilung der Region ins Spiel gebracht. "Ich bin bereit, über eine solche Option nachzudenken, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind", sagte das Staatsoberhaupt am Dienstag in Belgrad.

Denkt über eine Teilung des Kosovo nach: Serbiens Präsident Boris Tadic. Foto: ReutersLupe

Denkt über eine Teilung des Kosovo nach: Serbiens Präsident Boris Tadic. Foto: Reuters

HB BELGRAD. In diesem jüngsten europäischen Staat leben neben der albanischen Mehrheit nur noch rund 100 000 Serben vor allem im Norden des Landes. Schon früher war von einzelnen serbischen Intellektuellen der Anschluss des Nordens an die benachbarte "Mutterrepublik" Serbien vorgeschlagen worden.

Die überraschende Initiative des Staatsoberhauptes, die durch Medienberichte bekannt wurde, stieß auf strikte Ablehnung bei den Albanern. "Sie haben Kosovo für immer verloren", sagte Kosovo-Parlamentspräsident Jakup Krasniqi in Pristina. "Kosovo besitzt klar festgelegte Grenzen, die international anerkannt sind." In Serbien lehnten die nationalistischen Parteien den Vorstoß von Tadic ab. Die oppositionellen Ultranationalisten warfen dem Staatschef vor, er wolle mit der Teilung "Serbien mit einem Krümel Kosovo" abspeisen. Auch die Sozialisten als Juniorpartner der Tadic-DS in der Regierung widersetzten sich jeder Teilung.

Bisher ist das Kosovo von knapp 50 Ländern diplomatisch anerkannt worden. Auch die Mehrheit der EU-Mitglieder hat mit Pristina offiziell Beziehungen aufgenommen. Serbien strebt bei der laufenden Uno-Vollversammlung eine Mehrheit für die Anrufung des Internationalen Gerichtshofs (IGH) in Den Haag an. Dieses oberste Uno-Gericht soll feststellen, dass die Anerkennung Kosovos völkerrechtswidrig war.

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