Serbische Charmeoffensive
„Das Kosovo im Herzen, Nike-Turnschuhe unterm Arm“

Die Krise in Belgrad nach der Unabhängigkeit des Kosovos droht viele deutsche Investoren aus Serbien zu vergraulen. Das Land hat sich zuletzt für viele Unternehmen zu einem wichtigen Standort entwickelt. Das gute Image ist allerdings gefährdet. Eine Charmeoffensive soll nun ausländischen Investoren wieder Mut machen.

BELGRAD. Bill Clinton ist übergroß und sandgelb. 3,50 Meter hoch lässt Izeir Mustafa den Helden der Kosovaren aus Ton in einer Fabrikhalle in einer schmuddeligen Industriezone 35 Kilometer nördlich von Pristina unter seinen Händen wachsen. Die Pose: Bill Clinton, winkend. In Bronze soll die Statue bald den Weg in die Hauptstadt antreten und auf dem Bill-Clinton-Boulevard stehen.

Die Kosovo-Albaner schaffen sich „neue Symbole, und Clinton ist ganz wichtig dabei“, sagt der graubärtige Mustafa. Er steht auf einer Leiter und besprüht das Gesicht des Ex-US-Präsidenten mit Wasser – zum Nachformen. Wegen der Nato-Bombardements gegen Serbien zu Zeiten der Vertreibung der Albaner im Kosovo gilt Clinton hier als Volksheld der Befreiung von den Serben.

Während das Kosovo an den Symbolen seiner erst vor zwölf Tagen ausgerufenen Unabhängigkeit bastelt, versucht Serbien, die Scherben zusammenzukehren. Nach dem Brandschatzen von Botschaften und einer Plünderungswelle in ausländischen Geschäften vorige Woche will Serbiens Regierung nun ausländischen Investoren Mut machen: „Wir haben keinerlei Wirtschaftsbeziehungen abgebrochen zu den Ländern, die das Kosovo anerkannt haben, und werden dies auch nicht tun“, versicherte ein Sprecher des nationalkonservativen Premiers Vojislav Kostunica.

Serbien hat sich zuletzt für viele, auch deutsche, Unternehmen zu einem wichtigen Standort entwickelt. Das gute Image ist gefährdet.

Schadensbegrenzung tut not. Der liberale Vizepremier Bozidar Djelic will nun vergessen machen, dass seit den Massendemonstrationen gegen die kosovarische Unabhängigkeit in Belgrad der Satz „das Kosovo im Herzen, Nike-Turnschuhe unterm Arm“ als geflügeltes Wort in Belgrad gilt. In 90 Geschäften und ausländischen Bankfilialen wurden die Schaufenster eingeschlagen und teilweise die Auslagen geraubt – auch bei Nike, dem US-Ausrüster der serbischen Fußball-Nationalmannschaft.

„Serbien bleibt auf dem Weg zur EU-Mitgliedschaft“, sagt Djelic nun. Der Ex-Investmentbanker weiß, was Investoren hören möchten.

Seite 1:

„Das Kosovo im Herzen, Nike-Turnschuhe unterm Arm“

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%