Serbische Region Vojvodina
Auf dem Sprung ins goldene Dreieck Osteuropas

Die serbische Region Vojvodina gilt als Tor nach Europa und bietet eine Alternative zu den neuen EU-Mitgliedstaaten. Es ist vor allem die Nähe zu Deutschland, aber insbesondere auch zu den Produktionsstandorten deutscher Unternehmen in Mittel- und Osteuropa, die Vojvodina geografisch heraushebt. Hinzu kommt die makroökonomisch positive Entwicklung Serbiens.

NOVI SAD. Vier Kilometer Kabel, 75 Kilo schwer und 269,55 Minuten Zeit, um aus diesem Gewirr von bunt ummantelten Metallsträngen das Herz eines BMW zu machen. Die Frauen mit ihren gelben T-Shirts, die sie als gerade erst angelernte Arbeiterinnen ausweisen, haben mächtig zu stecken, zu fummeln und zu knoten auf der 20 Meter langen und mannshohen weißen Tafel in der Fabrik bei Zrenjanin. "Wir haben im vorigen Dezember die Entscheidung für Zrenjanin gefällt, im April die Produktion angefahren, heute haben wir 800 Arbeiter an drei Linien und das ist noch nicht einmal die Hälfte dessen, was hier in Kürze vorhaben." Jörg Pächnatz ist voll des Lobes für den neuesten Standort des bayerischen Kfz-Zulieferers Dräxlmaier.

"Der Standort ist sehr positiv. Hier spürt man, dass die Menschen mit ihrem Werk wachsen wollen", sagt Dräxlmaiers Standortleiter im Norden Serbiens, dem autonomen Gebiet der Vojvodina. Und Pächnatz betont die "Bombenunterstützung durch die Gemeinde": Die zugesagte Mehrwertsteuererstattung für die exportierten Kabelbäume funktioniere reibungslos, pro neu geschaffenem Arbeitsplatz gebe es 2 000 bis 5 000 Euro Fördermittel für den bayerischen Autoelektrik-Spezialisten, der von hier aus nun das BMW-Werk in Regensburg beliefert und dazu vom Auftragseingang aus Deutschland bis zur Anlieferung am Band in Bayern genau dreieinhalb Tage Zeit hat.

Just-in-time-Produktion in einer Schlendrian-Region wie dem Balkan? Der Sachse Pächnatz antwortet mit noch mehr Rekorden: In nur dreieinhalb Monaten sei die neue Fabrik hochgezogen worden und damit schneller als überall sonst in dem weltweit expandierenden Kabel-Netzwerk des Milliarden-Unternehmens aus Vilsbiburg. Und Pächnatz kann genau vergleichen: Rumänische Trainer in schwarzen Shirts arbeiten im serbischen Zrenjanin die hiesigen Arbeiter ein. Der Fabrikchef selbst kommt aus dem rumänischen Standort Temeschwar und ist "froh über den Umzug". Teile für die Fertigung würden inzwischen in der Vojvodina gefertigt, "besser und billiger als in Bayern", wie Pächnatz betont, und im Gegensatz zu Rumänien gebe es in Serbien nicht die extreme Fluktuation von Mitarbeitern.

Dräxlmaiers Verlagerung von Teilen der Fertigung aus Rumänien nach Serbien ist ein stiller Sieg der Vojvodina, der autonomen Nordprovinz des größten Nachfolgestaats Jugoslawiens. Denn damit haben die Serben bewiesen, dass sie konkurrenzfähig sind zu den neuen Mitgliedstaaten in der EU. Und das, obwohl sie erst noch selbst in die Europäische Union wollen und mit ihrem Zollfrei-Regime mit dem großen Absatzmarkt Russland sogar noch einen echten Joker im Ärmel haben.

Dräxlmaier steht inzwischen bei weitem nicht mehr allein: Auch der Elektrogigant Siemens lässt inzwischen in der Vojvodina fertigen - und zwar Kernstücke für hochmoderne Windkraftanlagen. Aus dem Städtchen Subotica kommt inzwischen ein Großteil der Generatoren für die Windräder der Siemens-Tochter Loher. Die Produktivität sei hier, "um nicht unverschämt zu sein, 100 Prozent von der in Deutschland", sagt Werkschef Istvan Sekula, ein Vertreter der ungarischen Minderheit in der autonomen Provinz Serbiens, der hier mit Serben und zahlreichen Donauschwaben für Deutsche werkelt. Die im Eingang stehende Grafik weist sogar 105-prozentige Produktivität aus, und ein aus Deutschland gekommener Loher-Qualitätsmanager bescheinigt den Serben "deutsche Qualität. Und dass wir sehr positiv überrascht sind, über den großen Erfolg hier in der Vojvodina".

Seite 1:

Auf dem Sprung ins goldene Dreieck Osteuropas

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%