Serie 1989-2009
Vom Vorkämpfer zum Mahner

Sie brachen die Macht der Kommunisten: 1989 kämpften Vaclav Maly und Vaclav Havel an der Spitze der "Samtenen Revolution" für eine freie Tschecheslowakei - mit durchschlagendem Erfolg. Wie der Umbruch in Osteuropa den eisernen Vorhang zu Fall brachte.

WIEN. Vaclav Maly streckt voll Begeisterung den Arm nach oben, die Finger formen das "Victory"-Zeichen. Im November 1989 hat der katholische Priester allen Grund zum Feiern: Gerade ist das Zentralkomitee der tschechoslowakischen kommunistischen Partei zurückgetreten. Die Bürgerbewegung des Landes, das "Bürgerforum", verzeichnet den ersten extrem wichtigen Erfolg.

Auf der Bühne des Prager Theaters Laterna Magica steht am 22. November noch ein anderer, viel bekannterer Mann mit demselben Vornamen: Vaclav Havel, Schriftsteller und späterer Präsident der demokratischen Tschechoslowakei und Tschechiens. Vaclav Maly hat es nicht zu demselben Bekanntheitsgrad geschafft wie sein Namensvetter. Aber das gilt nur außerhalb der tschechischen Grenzen.

In seinem Heimatland kennen ihn sehr viele Menschen, dort ist er heute einer der führenden Köpfe der katholischen Kirche. Vor gut zehn Jahren wurde er zum Weihbischof von Prag ernannt. "Maly gehört in Tschechien zu den wenigen bekannten Vertretern der katholischen Kirche", sagt auch der tschechische Diplomat Oskar Novak. Fast ein Lob, denn die Kirchen spielen in Tschechien eine ziemlich untergeordnete Rolle - eine klare Folge von 40 Jahren Sozialismus.

Vielleicht hätte Maly auch genauso bekannt werden können wie Vaclav Havel. Aber er wollte es nicht. Vor 20 Jahren war er einer der wichtigsten Köpfe der Bürgerbewegung in der Tschechoslowakei. Als im November 1989 Hunderttausende auf dem Wenzelsplatz in Prag das Ende der kommunistischen Diktatur forderten, stand Maly als Sprecher des "Bürgerforums" in den vordersten Reihen. "Du bist Priester, du kannst reden", haben seine Mitstreiter damals zu ihm gesagt. Und schon stand er auf dem Balkon eines Hauses am Wenzelsplatz und moderierte von dort aus im Spätherbst 1989 die "Samtene Revolution".

Von der Spitze der Bürgerbewegung wäre es ein Leichtes gewesen, auch in der neuen Tschechoslowakei eine führende Position einzunehmen. Maly konnte vollkommen frei entscheiden - und er wählte tatsächlich wieder den Priesterberuf und entschied sich gegen eine politische Karriere. "Diese größte Versuchung meines Lebens dauerte nur einige wenige Tage", sagte er später über seine Entscheidung von damals. Die "Liebe zum Altar" sei einfach viel größer gewesen. Nach elf Jahren im Untergrund wollte er endlich wieder öffentlich als Priester arbeiten - ohne sich verstecken zu müssen und den staatlichen Geheimdienst zu fürchten. Zudem war er sich damals sicher, dass in der Bevölkerung bald große Vorbehalte gegenüber einem Mann aus dem Klerus in einem politischen Spitzenamt zu hören sein würden. Maly war darüber hinaus davon überzeugt, dass sich politisch auch außerhalb einer Partei etwas bewegen ließe.

Seite 1:

Vom Vorkämpfer zum Mahner

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%