Serie: China am Scheideweg
Der Drache zeigt Muskeln

China stattet seine gewaltige Armee mit High-Tech-Waffen aus. Das aufstrebende Riesenland gibt seit Jahren steigende Beträge für seinen Militärhaushalt aus. Ist der Showdown mit den USA unvermeidlich?

PEKING. In fetten roten Lettern prangt die Warnung auf der Homepage der American Shipbuilding Association: „Im Jahr 2015 wird Chinas Marine die US-Flotte überholen“. In den USA rüstet sich die Navy-Lobby schon für einen unvermeidlichen Showdown. „Das chinesische Militär wird zum Rivalen für Amerikas Seestreitkräfte aufgebaut“, heißt es auf der Webseite weiter. Ist ein Konflikt zwischen den USA und seinem fernen Herausforderer wirklich unvermeidlich?

Auch das US-Verteidungsministerium beobachtet Pekings Rüstungsanstrengungen mit Sorge. „China hat das größte Potenzial, um mit den USA militärisch mitzuhalten“, heißt es in der jüngsten „Quadrennial Defense Review“ des Pentagon. „China ist keiner direkten Bedrohung durch eine andere Nation ausgesetzt“, schrieb das Rumsfeld-Haus in einem Bericht an den Kongress im vergangenen Jahr. „Dennoch investiert es stark in die Rüstung.“ Washington sieht nicht nur das regionale militärische Gleichgewicht in Asien durch Chinas Hochrüstung in Gefahr, sondern auch die eigenen Interessen bedroht: „Die Modernisierung des Militärs könnte Chinas Streitkräfte in die Lage versetzen, eine Reihe von militärischen Optionen in Asien zu verfolgen – weit über Taiwan hinaus.“

China gibt seit Jahren steigende Beträge für seinen Militärhaushalt aus. Offiziell beziffert Peking das Budget mit 30 Mrd. Dollar. Doch US-Experten rechnen eher mit dem dreifachen Betrag. Das ist immerhin fast ein Viertel dessen, was die USA in die Rüstung stecken. Doch selbst wenn Ministerpräsident Wen Jiabao die Stärkung der Landesverteidigung mittlerweile als „strategische Aufgabe zur Modernisierung Chinas“ bezeichnet, so betont Peking zugleich stets den defensiven Charakter seiner Rüstungspolitik.

Mit einer Ausnahme: Taiwan. Die latenten Unabhängigkeitsbestrebungen des abtrünnigen Taipeis betrachtet das chinesische Militär als direkte Bedrohung für Frieden und Stabilität. Sagt sich Taiwan von China los, wird Peking militärisch reagieren. Bis zu 750 Kurzstreckenraketen und 375 000 seiner 2,3 Millionen Soldaten hat Peking in den Küstenregionen gegenüber Taiwan stationiert. Für das Pentagon ein Beleg für die These, dass China sich vor allem darauf konzentriert, „kurzzeitige und hochintensive Konflikte an seiner Peripherie auszutragen und zu gewinnen“.

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