Serie: Generation Zukunft
„Generazione Mille Euro“

Der 28-jährige Robert Piazza möchte endlich auf eigenen Füßen stehen - aber dafür reicht das Geld nicht. In Mailand kommt die junge Arbeitsgeneration ohne finanzielle Unterstützung der Eltern kaum über die Runden. Wie man die Lage ändern könnte bleibt den meisten Italienern weiterhin ein großes Rätsel.

MAILAND. Das Wort „Mammoni“ hört Roberto Piazza gar nicht gerne. Zwei von drei Italienern zwischen 18 und 35 Jahren leben noch bei ihren Eltern – und der 28-Jährige ist einer von ihnen. Die Familie lebt in Monza, eine halbe Stunde außerhalb von Mailand. Liebend gern würde Piazza sich abnabeln und auf eigenen Füßen stehen: „Es ist ja nicht so, dass die Italiener alle unbedingt bei der Mama wohnen wollen.“ Aber bei 800 Euro netto im Monat, die er als Art Director in einer internationalen Werbeagentur verdient, kann er sich die Unabhängigkeit schlicht nicht leisten.

Nicht in Mailand, wo die Miete für Ein-Zimmer-Apartments bei 700 Euro anfängt. Hinzu kommt, dass sich Piazza – wie so viele seiner Altersgenossen – von einem befristeten Job zum nächsten hangelt. Einige Jahre arbeitete er als Programmierer, bevor er sich zum Art Director schulen ließ. Was folgte, waren dreimonatige Praktika bei Werbeagenturen, zunächst unbezahlt, dann für 500 oder 600 Euro im Monat. Bei der Agentur, für die er nun schon zwei Jahre arbeitet und bei der er trotzdem nur einen Jahresvertrag hat, bekommt der Kreative mit dem Dreitagebart und den Rastalocken jetzt 800 Euro netto im Monat.

Damit kommt man in Mailand kaum über die Runden: „Viele meiner Bekannten bekommen noch immer Geld von zu Hause geschickt“, erzählt Piazza. Aber bei sechs Geschwistern möchte er das seinen Eltern nicht zumuten. Anfangs versuchte er noch, seinen spärlichen Verdienst abends mit Kellnerjobs aufzubessern. Doch da er in der Agentur auch mal bis elf Uhr nachts oder drei Uhr morgens gefordert ist, gab er den Nebenjob schnell wieder auf.

Die Arbeit als Art Director ist sein Traumjob, deshalb hängt er sich rein. Im September wird er hoffentlich einen neuen Ein-Jahres-Vertrag bekommen – und möglichst 200 Euro mehr im Monat. Dann könnte er endlich mit seiner langjährigen Freundin zusammenziehen, die als Buchhalterin 1 000 Euro verdient.

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