Serie: Generation Zukunft
Im Land der Hot-Spots

Mario Hallaste ist Computerfreak – und damit in seiner Heimat Estland genau richtig. Als Systemadministrator wird der 26-Jährige wohl mal doppelt so viel verdienen wie der Durchschnitt seiner Landsleute.

TALLINN. Wenn Optimismus ein Gesicht hätte, es müsste das von Mario Hallaste sein. Der 26-Jährige strahlt und strahlt, und sein Lachen steckt derart an, dass selbst seine Kommilitonen sich nicht mehr zurückhalten können. „So ist der immer“, sagt eine von ihnen, die 20-jährige Katrin Loodus. Die beiden sind zwei von knapp 400 Studenten am IT-College in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Mario hat sein dreijähriges Studium fast abgeschlossen, „ich muss nur noch die Diplomarbeit beenden“, sagt er.

Der beton-graue College-Bau mit seinem postsowjetischen Charme am Rande der Altstadt von Tallinn strahlt wenig Zukunft aus. Doch wenn Mario den Abschluss in der Tasche hat, eröffnet sich ihm ein Arbeitsmarkt, von dem viele seiner Altersgenossen in anderen Ländern nur träumen können: „Pro Woche klopfen bei uns fünf bis zehn Unternehmen aus dem In- und Ausland an, die qualifizierte Leute suchen“, sagt der Student.

15 Jahre nach der Unabhängigkeit von der damaligen Sowjetunion wächst die estnische Wirtschaft wie kaum eine andere in der EU. Die Arbeitslosenrate liegt bei 6,4 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit mit 15,9 Prozent unter der in vielen anderen EU-Ländern. „Die Situation für junge Leute verbessert sich ständig“, sagt Allan Kasesalu vom Wirtschaftsministerium in Tallinn.

Vor allem auf Mario, der nach dem Abschluss „Systemadministrator“ auf seine Visitenkarte drucken darf, wartet eine rosige Zukunft. In einem Land, in dem sich an nahezu jeder Ecke Hot-Spots für den drahtlosen und kostenlosen Zugang zum Internet befinden und das zu den Staaten mit den meisten Breitband-Anschlüssen pro Kopf zählt, boomt der Arbeitsmarkt für IT- und Computerspezialisten. „Wir haben in Estland rund 780 IT-Firmen“, sagt Sille Rossi vom Ministerium für Wirtschaft und Telekommunikation. Und das bei gerade mal knapp über 1,3 Millionen Einwohnern. Vermutlich Weltrekord.

Direkt nach der Unabhängigkeit lag die Infrastruktur am Boden, erklärt „Mr. Internet“ Linnar Viik, der estnische IT-Guru und Professor am College. Deshalb habe man praktisch bei Null anfangen müssen und konnte deshalb direkt die modernste Technik einsetzen. Außerdem, so Viik, habe die Nachbarschaft zu Finnland, wo das Betriebssystem Linux und das Handy entwickelt wurden, sicherlich zu der großen Technik-Affinität beigetragen.

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