Serie: Generation Zukunft
Leben in der Washingtoner Blase

Natalie Gontcharova liebt die Politik und kämpft mit Herzblut für die Menschenrechte. Die 21-Jährige wurde in Moskau geboren, und lebt nun – nach der kurzen Zwischenstation Stuttgart – in Washington.

WASHINGTON. „Wo mein Zuhause ist?“, fragt Natalie Gontcharova zurück. Dann stockt sie für einen Moment, ein leises Schlucken ist zu hören, bis sie sagt: „Mit dieser Frage beschäftige ich mich jeden Tag.“ Es ist schwer zu bestimmen, wo das Zuhause ist, wenn man mit 21 zwischen verschiedenen Welten wandelt, zwei Pässe hat, zwei Sprachen wie die eigene spricht, zwei Leben führt. Natalie ist ein Kind der offenen Grenzen, der Globalisierung, kosmopolitischen Lebens. Und jetzt hält sie nach einem Job Ausschau, der diesem bewegten Leben Rechnung trägt.

Natalie ist sieben Jahre alt, als die Familie 1992 die russische Heimat verlässt und nach Stuttgart geht. Der Vater arbeitet als Physiker am Max-Planck-Institut. Zwei Jahre später kommt ein Angebot aus den USA. Also packen die Gontcharovas erneut ihre Koffer und ziehen in die Staaten. Sieben Jahre Russland, zwei Jahre Deutschland, elf Jahre USA. Hört man nur Natalies Stimme und den amerikanischen Akzent, dann könnte sie als waschechte „Washingtonian“ durchgehen. Doch gerade war sie wieder für ein paar Wochen in der anderen Welt, ihrer Geburtsstadt Moskau.

Mit 17 fängt Natalie an, an der George Washington Universität in der Hauptstadt Journalismus und Internationale Politik zu studieren. Inzwischen hat sie ihren Bachelor-Abschluss in der Tasche und versucht jetzt, ihre Leidenschaft – die Politik – zum Beruf zu machen. Schon vor einigen Jahren ist sie in die Welt der Nichtregierungsorganisationen in Washington eingetaucht, hat bei „Vital Voices“ und „Fairfund“ gejobbt. Bei beiden Organisationen lernte sie, wie Frauen auf der ganzen Welt ermutigt werden, ihre Stimme zu erheben.

Da war sie schon ganz nahe dran an dem Thema, das kurz darauf bestimmend werden sollte: Menschenrechte, Menschenhandel. Sie liest – nein, sie verschlingt – das Buch „The Natashas“ von Victor Malarek. Es handelt vom Schicksal osteuropäischer Frauen, die aus ihren Heimatländern weggelockt und in Europa und Übersee zur Prostitution gezwungen werden. Besonders eindrücklich sind die Aussagen, die Malarek in Bosnien sammelt. Dort mussten Frauen den Uno-Friedenstruppen zu Willen sein. Das Buch heißt „Die Nataschas“, weil viele Freier die Frauen so nannten.

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