Serie: Globalisierung konkret
Im Strudel von Argentiniens Zahlungskrise

Als sich der zahlungsunfähige argentinische Staat auf Kosten der Kleinanleger sanierte, schauten nicht nur die Anleger aus der südamerikanischen Republik in die Röhre.

BUENOS AIRES. Marc Peters und Horacio Vasquez kennen sich nicht. Die Männer leben tausende von Kilometern voneinander entfernt, und doch gibt es ein gemeinsames Band zwischen dem Deutschen und dem Argentinier: Beide hofften, von der Verflechtung der internationalen Kapitalmärkte profitieren zu können – und beide schauten in die Röhre, als der zahlungsunfähige argentinische Staat sich auf Kosten der Kleinanleger sanierte.

Der 37-jährige Peters ist eigentlich ein vorsichtiger Mensch, und ein sparsamer noch dazu. Seit acht Jahren arbeitet der gelernte Automechaniker am Frankfurter Flughafen für die Lufthansa im Direktvertrieb. Dort lernte er auch seine Frau kennen, eine Chilenin, mit der er eine kleine Tochter hat. Jeden Monat legt Peters ein bisschen von seinem Einkommen auf die hohe Kante.

Ende des Jahres 2000 traf er dann eine fatale Entscheidung: Er wollte einen Kredit, den er für den Bau eines Hauses aufgenommen hatte, schnell tilgen. Also suchte er eine Geldanlage, deren Verzinsung höher war als der Zins für den Kredit. „Da fand ich diese Informationen über die Staatsanleihen der Republik Argentinien“, erzählt Peters, der das Land von einer Reise kannte. Die Anleihen boten 10,5 Prozent Verzinsung bei einer Laufzeit bis 2002.

Peters’ Schwager ist Anlageexperte und hatte ihm geraten, kurzfristige Anleihen zu kaufen. Dann sei er vor Kursschwankungen besser geschützt. Am Ende der Laufzeit würden die Anleihen in jedem Fall zu 100 Prozent zurückgezahlt. Peters folgte dem Rat und investierte 10 000 DM. Nach der ersten Zinszahlung, als der Kurs der Anleihe schon gesunken war, legte er 3 000 DM drauf, seine letzten Ersparnisse.

Am anderen Ende der Welt beging der Argentinier Horacio Vasquez den gleichen Fehler. Wie die meisten seiner Landsleute war er ein gebranntes Kind, was Geldanlagen angeht. In der Hyperinflation Ende der 80er-Jahre hatte er zusehen müssen, wie seine Ersparnisse auf dem Bankkonto dahinschmolzen. „Das Geld war abends immer nur noch die Hälfte wert wie am Morgen“, erinnert sich Vasquez mit Grauen. Danach war für ihn klar: „Die einzige Form, in Argentinien zu sparen, ist in Dollar – und nicht in der Bank.“

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