Serie Internationale Organisationen
Mit der Wirtschaft wächst das politische Ego

Die Schwellenländer China, Indien, Südafrika und Brasilien pochen auf mehr Einfluss auf der internationalen Bühne: Von der Uno über die WTO bis hin zum Internationalen Währungsfonds und der Weltbank. Die alten westlichen Vormächte USA, Großbritannien, Frankreich und auch Deutschland fürchten um ihre Dominanz. Denn die Newcomer haben gleich mehrere Asse im Ärmel. Teil eins einer Handelsblatt-Serie.

GENF Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva stapft vor die Uno-Vollversammlung und mustert die Staats- und Regierungschefs. Schließlich donnert er los: Brasilien soll einen ständigen Sitz im Uno-Sicherheitsrat haben. Die permanenten Mitglieder des mächtigsten Uno-Gremiums müssten ihre Privilegien mit anderen Ländern teilen. „Wir können nicht überall in der Welt Demokratie fordern“, sagt Lula, „ohne Demokratie in der Uno zu verwirklichen.“ Der Mann aus Brasilia schleuderte seine Worte im September 2006 vor das Weltparlament, im September dieses Jahres will er wieder in New York vorstellig werden. Brasilien wird dann abermals die Machtverteilung im internationalen System attackieren.

Auch der Club der sieben etablierten Industriemächte plus Russland (G8) ist vor dem Andrang aus dem Süden nicht mehr sicher. Diplomaten prognostizieren: Entweder mutieren die G8 zu einer G12 oder G13 – oder aber G8-Gipfel wie in Heiligendamm rutschen in die Bedeutungslosigkeit. „Lange hat der Westen den Schwellenländern einfach nicht zugehört“, bilanziert der indische Publizist Chakravarthi Raghavan: „Jetzt denken die Schwellenländer: Genug ist genug.“

Vor allem die stürmische Entwicklung ihrer Märkte stärkt das Selbstbewusstsein der neuen Mächte. China zieht jährlich die Rekordsumme von mehr als 100 Mrd. Dollar an ausländischen Investitionen an. Und China wird Deutschland, laut WTO-Experten, in den nächsten Jahren als Exportweltmeister verdrängen. Indien und Brasilien führten 2005 gegenüber 2004 um jeweils rund ein Viertel mehr Waren aus.

Die Weltbank prognostiziert: Der Boom wird noch rasanter: Die Entwicklungsländer mit den Großen wie China uns Indien an der Spitze werden zwischen 2005 und 2030 ihren Output verdreifachen. Eng mit dem Aufschwung geht die Aufrüstung einher: Einen guten Teil der sprudelnden Staatseinnahmen stecken Peking, Delhi & Co in ihre Streitkräfte.

Auch die Bevölkerung der Herausforderer wächst und wächst. Schon heute leben in China, Indien, Brasilien und Mexiko insgesamt rund 2,7 Milliarden Menschen. Die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland bringen es nur auf rund 500 Millionen. „Angesichts einer brummenden Wirtschaft und der Masse von Menschen haben die politischen Forderungen eindeutiges Gewicht“, sagt Katharina Gnath von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

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