Serie: Internationale Organistationen
Gelähmter Ausputzer vom Dienst

Uno-Generalsekretär ist eine undankbare Aufgabe: Ban Ki Moon, der Nachfolger von Kofi Annan, hetzt seit seinem Amtsantritt von Krisenherd zu Krisenherd – die Vereinten Nationen sind vielbeschäftigt. Dabei ist die einzige Organisation, die fast alle Staaten der Welt vereint, überraschend abhängig von der Unterstützung der Weltmächte. Teil zwei der Handelsblatt-Serie.

GENF. Eine Autokolonne rast aus Damaskus Richtung Golan. Im dritten verdunkelten Mercedes sitzt Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Der Südkoreaner diskutiert mit Beratern über das Treffen mit Syriens Präsident Assad. Er analysiert die Lage in Sudans Kriegsregion Darfur. Er redigiert seine Rede, die er vor den Uno-Blauhelmen halten wird, die am Golan den Waffenstillstand zwischen Syrern und Israelis überwachen. Nach einer halben Stunde Visite bei den Soldaten hastet Ban zu seiner Limousine, die Autokolonne jagt zum Flughafen Damaskus.

Seit seinem Amtsantritt im Januar hat der oberste Uno-Diplomat in rund 50 Ländern Dutzende Krisenherde wie den Golan besucht. Bans hektische Reisen spiegeln eine unruhige Welt wider: Kriege, Terrorismus, Atomkrisen, Erderwärmung, Armut, Seuchen und Unterdrückung halten die Menschheit in Atem. Für all diese Probleme sucht die Uno Lösungen. Nur: Die einzige internationale Organisation, die seit ihrer Gründung 1945 fast alle Staaten der Welt zusammenbringt, reagiert auf die massiven Herausforderungen oft hilflos. „Die Weltorganisation kann nur dann effektiv sein, wenn sie die Unterstützung der nationalen Regierungen – besonders der größeren Mächte – erhält“, umschreibt der Historiker Paul Kennedy das Grundübel. Schwergewichte wie China und die USA aber benutzen die Weltorganisation nur als Instrument und fragen: Wie kann die Uno unserem nationalen Interesse dienen?

Vor allem die US-Regierung beäugt die Vereinten Nationen mit tiefer Skepsis. Eine partnerschaftliche Kooperation der Supermacht mit der Uno existiert nicht. Wenn die Weltorganisation in entscheidenden Fragen nicht spurt, lassen die Amerikaner sie links liegen: Bestes Beispiel ist die US-geführte Irak-Invasion ohne Zustimmung der Uno. Egal wer auf George W. Bush als US-Präsident folgt: Die USA werden für sich weiter eine Sonderrolle unter den 192 Uno-Mitgliedern reklamieren.

Ein Problembereich, vor dem die Weltorganisation steht, nährt besonders den Argwohn der Amerikaner: Misswirtschaft wie etwa beim Öl-für-Lebensmittel-Skandal. Verursacht wird sie nicht zuletzt durch eine bizarre Bürokratie: So wursteln bei ökonomischen Themen die Internationale Arbeitsorganisation (Ilo), die Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad), der Wirtschafts- und Sozialrat sowie mehrere regionale Uno-Wirtschaftskommissionen nebeneinander her. Der frühere US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton, höhnte über die Arbeitsweise der Uno: „Da gibt es Praktiken, Einstellungen und Herangehensweisen, die fast überall sonst in der Welt vor 30 Jahren abgeschafft wurden.“

Als drittes großes Problem der Vereinten Nationen gelten die „unrealistischen Erwartungen“. Der Uno-Untergeneralsekretär für politische Angelegenheiten, B. Lynn Pascoe, bringt es auf den Punkt: „Die Uno wird gefragt, sehr schnell Herausforderungen zu meisten, an denen andere sich längst die Zähne ausgebissen haben.“

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