Serie: Main Street, USA
Route 66: Von Öl, Wind und Klapperschlangen

Der Mythos Amerikas hat einen Namen: die Route 66. Wir sind ihre 4000 Kilometer von Chicago nach L.A. gefahren, um Amerikas Puls vor der Präsidentschaftswahl zu fühlen. Es entstand das Porträt einer verängstigten Nation - Teil 4: Warum Ölmänner in Texas bald die Branche wechseln müssen.
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PAMPA. Gemächlich senkt sind der Kopf der Pumpe - wie ein sanft gewölbter, gewaltiger Hammer. Eine Sekunde lang verdeckt er beinahe die Sonne, die am Horizont untergeht, ehe er sich langsam wieder hebt. Auf und ab. Auf und ab. Im immer gleichen Rhythmus fördert die Pumpe den Schatz, der im Boden unter der dünnen Grasnarbe ruht. Eine süßlich schmeckende, dunkelbraune, glänzende Masse: Light Sweet Crude. Rohöl. So rein wie eh und je.

An der Pumpe dagegen haben die Jahre ihre Spuren hinterlassen. Die Farbe am Motorenkasten blättert ab. Rost zerfrisst das Metall. "Die Pumpe hat ihre besten Jahre hinter sich - so wie ich", sagt der Mann und streicht fast zärtlich über die Rostflecken, "aber wir werden beide noch gebraucht."

Donnie Ray ist klein und drahtig, und er sieht mindestens zehn Jahre jünger aus, als seine 76 Lebensjahre ahnen lassen. Mit energischen Schritten umrundet er die Pumpe, wirft einen Blick auf die Stange am Pumpenkopf, die Rohrleitung daneben. Alles in Ordnung. Nirgendwo ein Leck. Ray setzt sich in seinen Truck, der war mal weiß und ist nun voller Schlammflecken. Weiter geht's ans andere Ende von Pampa, einer 17000-Einwohner-Stadt im Norden von Texas. Weiter zum nächsten "Pump Jack". So heißen die Ölpumpen hier in dem zweitgrößten US-Bundesstaat, dem traditionsreichsten Erdölfördergebiet Amerikas.

Hunderte Pump Jacks erheben sich aus der ausgedörrten Steppe im nördlichen Zipfel von Texas, dazwischen glänzen silbrig Raffinieren, und wie mit dem Lineal gezogen durchschneidet die Route 66 schnurgerade das Land. "Panhandle" heißt diese Region, der Stiel an der Pfanne namens Texas. So sieht sie auf der Landkarte aus.

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