Serie: Mein 11. September
"Da ist nur Schweigen"

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Torsten Riecke arbeitet US-Bürochef des Handelsblatts in einem Gebäude direkt gegenüber vom World Trade Center.
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Nun sind es also zehn Jahre. Wie jedes Jahr, werde ich auch diesmal wieder gefragt, wie ich diesen 11. September 2001 erlebt habe. Damals, als ich als Handelsblatt-Korrespondent morgens ungläubig direkt vor den brennenden Zwillingstürmen stand. Wie jedes Jahr erzähle ich meine kleine 9/11-Story von dem Ascheregen, der vom Himmel fiel, von dem zweiten Flugzeug, United Airlines-Flug 175, das um 9.03 Uhr vor meinen Augen in den Süd-Tower raste und von den Unglücklichen, die oben in den Türmen festsaßen und in den Tod sprangen.

Aber eigentlich will ich das gar nicht erzählen, jetzt nicht und auch in den Jahren zuvor nicht.

Für viele, die damals die Bilder nicht am Fernseher, sondern mit eigenen Augen gesehen haben, ist dieser Tag wie eine Narbe. Man weiß, dass sie da ist, rührt sie aber nicht an, um keine neuen Schmerzen hervorzurufen. Und so sind es an diesen Tagen meist die anderen, die reden. Ich weiß noch, wie ich einige Jahre später mit anderen Augenzeugen in New York zusammentraf. Wortlos tauschten wir unsere Erinnerungen aus. Die Blicke sagten alles. Als Journalist und Augenzeuge kann ich über diesen Tag berichten, als Mensch ist da nur Schweigen. Zu nah war das, was an diesem Tag passiert ist.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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