Serie: Mein 11. September
„Das Geschehen hatte für mich eine sehr persönliche Komponente“

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Für Unionsfraktionsvize Meister brach danach alles weg, was bis dahin gegolten hatte.
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Zunächst war der 11. September ein ganz normaler Sitzungstag. Ich saß in meinem Berliner Büro und studierte Akten, als gegen 15.00 Uhr ein junger Mitarbeiter eines Kollegen reinplatze und aufgeregt von einem Unglück in New York berichtete. Der Fernseher wurde eingeschaltet und zeigte uns in der Tat einen brennenden Turm des World Trade Centers. Schnell kamen meine Mitarbeiter hinzu. „Welch ein tragischer Unfall“, war mein erster spontaner Gedanke.

Als ich aber mit Schrecken mit ansehen musste, wie ein zweites Flugzeug in den anderen WTC-Turm raste, verändert dies alles. Jetzt war mir endgültig klar, dies kann kein „normales“ Unglück sein. Die Dramatik vor dem Fernseher wuchs von Minute zu Minute ins Unermessliche. Da ich New York kenne und – wie so viele – schon auf dem WTC gewesen war, gewann das Geschehen am Fernseher eine sehr persönliche Komponente.

Wie gebannt verfolgten wir das Unfassbare auf dem Bildschirm. Nach und nach dämmerte es mir, dass dieser Anschlag auf die USA eine neue Qualität einläutet. Bislang hatte ich die Unverletzlichkeit der USA aufgrund der geographischen Lage als gegeben angesehen. Darüber brauchte man nie nachzudenken, es war eine Selbstverständlichkeit. Das galt für die US-Bürger wie auch für uns. Die Unverletzlichkeit war eine feste Konstante in der Wirtschafts- und Außenpolitik. Das alles galt jetzt plötzlich nicht mehr, brach einfach weg.

Was die Verletzlichkeit für langfristige Folgen haben würde, konnte ich mir nicht annähernd ausmalen. Aber mir war klar, ein solcher Terroranschlag kann jederzeit an jedem Ort wiederholt werden. Einen wirklichen Schutz gibt es nicht. Mit dieser Erkenntnis werden wir leben müssen.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

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