Serie: Mein 11. September
„Es war wie der Beginn eines Alptraums“

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Für den Präsidenten des Zentralrats der Juden, Graumann, hat sich der Alltag mit den Anschlägen dramatisch verdüstert.
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Ich werde diesen Tag niemals vergessen. Jedes Detail hat sich unauslöschlich in mein Gedächtnis gebrannt: Ich war gerade in meinem Büro, als ich vom „ersten“ Flugzeug erfuhr. Da dachte ich noch, es wäre eventuell ein schrecklicher Unfall. Als dann aber das zweite Flugzeug einschlug, gab es natürlich keinen Zweifel mehr: Es musste sich um einen monströsen Anschlag handeln.

Es war wie der Beginn eines Alptraums. Die schrecklichen Bilder werden mir niemals aus dem Kopf gehen: Die einstürzenden Türme, der Rauch, die Panik und vor allem die vielen, so vielen unschuldigen Menschen, die hilflos sterben mussten. Ich spürte gleich: Das ist eine Katastrophe, die vieles verändern wird, unsere Welt wird künftig eine andere sein.

Inzwischen steht fest: Dieser Anschlag hat unseren Alltag wirklich dramatisch verdüstert. Die weltweit geschürte Angst, die unsäglichen Kontrollen und die leider notwendigen Sicherheitsmaßnahmen, die Einschränkung und geradezu die Umkehr von dem, was freies Reisen doch sein könnte, und der in weite Ferne katapultierte Traum einer friedvollen und sicheren Welt -  das sind die Konsequenzen, unter denen wir inzwischen tagtäglich zu leiden haben.

Diese fatale Eruption von islamistischem Terrorismus  hat unser gesamtes Leben verdunkelt und verarmt, unsere Freiheitsräume verengt, unsere Hoffnungen auf ein friedliches Miteinander verdüstert und unsere gesamte Lebensqualität dramatisch verschlechtert.

Wir dürfen uns aber unsere Freiheiten nicht aus Furcht einschränken und unseren Lebensstil schon gar nicht von Terroristen vorschreiben lassen. Diesen Triumph werden die Islamisten nicht bekommen. Wir dürfen auch nie vergessen, dass Tausende von unschuldigen Menschen getötet wurden. In ihren Familien haben sie eine Lücke hinterlassen, die niemals geschlossen wird, der Schmerz um ihren Verlust ist nicht verheilt.

Der 11. September ist ein Synonym geworden für den Angriff auf die Freiheit der Welt. Er sollte aber zugleich ein Synonym sein für eine im Kampf gegen den Terrorismus vereinte Welt, die wir gemeinsam menschlicher und sicherer gestalten wollen.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

Kommentare zu " Serie: Mein 11. September: „Es war wie der Beginn eines Alptraums“"

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  • Warum gibt es hier nur zwei weibliche Zeitzeugen in der Serie?

  • Schrecklich, was derzeit in NYC passiert ist.

    Und trotzdem bin ich sehr, sehr glücklich, dass es keinen Juden getroffen hat. Bedingt durch einen jüdischen Feiertag waren (dem Himmel sei Dank) Juden nicht unter den Opfern.

    Trotzdem gedenken wir der vielen Tote von 9/11 und den vielen Toten in den Bombennächten in Dt.

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