_

Serie: Mein 11. September: „Ich brach in Tränen aus“

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Prominente aus Politik und Wirtschaft schildern, wie sie den Tag erlebten. SPD-Fraktionsvize Kelber sorgte sich um seine Verwandten.

Ulrich Kelber Quelle: SPD
Ulrich Kelber Quelle: SPD

„Ein Jahr zuvor war ich in den Deutschen Bundestag nachgerückt und arbeitete in meinem Büro an der Friedrichstraße in Berlin. Eine Mitarbeiterin stürmte ins Zimmer und schaltete den Fernseher an. Ein Flugzeug war bereits in das WTC gelenkt worden, es herrschte noch Unsicherheit über die Gründe. Live mussten wir mit ansehen, wie das zweite Flugzeug hineingelenkt wurde. Jetzt war klar, dass es sich um Terroranschläge handeln musste.

Anzeige

Ich informierte meine Mutter, deren Schwester mit Mann in den 1960er Jahren nach New York ausgewandert war. Während das Handynetz in New York schon hoffnungslos überlastet war, erreichte ich meine Tante und meinen Onkel noch problemlos über das Festnetz in ihrem Haus im New Yorker Stadtteile Queens. Sie hatten noch gar nichts mitbekommen und wollten jetzt erst einmal versuchen, meine drei Cousins zu erreichen, von denen zwei in Downtown Manhattan arbeiteten.

Erst spät am Nachmittag war klar, dass meine Cousins in Sicherheit waren, als mein ältester Cousin staubbedeckt an seinem Haus angelangte. Bis dahin konnten ihn seine Frau und seine Eltern nicht erreichen.

Kurz nach dem Einschlag des zweiten Flugzeugs hatte ich im Büro des Bundestagspräsidenten angerufen, damit die laufende Plenartagung des Bundestages unterbrochen wird. Das passierte dann auch schnell. Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir den restlichen Tag in einer größeren Gruppe per Fernsehen das Geschehen verfolgten. Wirre Spekulationen über das Ausmaß des Angriffs und dessen Folgen beherrschten den Tag.

Als ich die Bilder der Menschen sah, die sich aus dem WTC durch Selbstmord vor den Flammen retteten, brach ich in Tränen aus. Kaum zehn Monate vorher war ich noch im WTC gewesen. Als die Türme zusammenstürzten war das ein Schock, der noch viele Tage anhielt.“

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September 2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

Ablauf der Anschläge vom 11. September 2001

  • 08.38 Uhr

    Die US-Luftfahrtbehörde FAA alarmiert die militärische Luftüberwachung NORAD, dass offenbar American Airlines Flug 11 von Boston nach Los Angeles entführt wurde.

  • 08.46 Uhr

    Der Flug AA 11, eine Boeing 767 mit 92 Menschen an Bord, schlägt im Nordturm des World Trade Centers ein. In der Fassade klafft einriesiges Loch, die oberen Stockwerke gehen in Flammen auf. Viele Menschen sind eingeschlossen, hunderte Rettungskräfte eilen zu dem Gebäudekomplex im Süden Manhattans.

  • 09.03 Uhr

    Eine zweite Boeing 767 von United Airlines mit 65 Menschen an Bord, die ebenfalls von Boston nach Los Angeles fliegen sollte, rast in den Südturm des World Trade Centers. Das Ereignis wird von Fernsehzuschauern rund um die Welt live verfolgt.

  • 09.30 Uhr

    US-Präsident George W. Bush, der eine Schule in Sarasota im Bundesstaat Florida besucht, tritt vor die Presse und sagt, das Land werde offenbar von Terroristen angegriffen.

  • 09.37 Uhr

    Eine Boeing 757 von American Airlines, unterwegs mit 64 Menschen von Washington nach Los Angeles, stürzt in das Pentagon und bringt einen Teil des Westflügels des Verteidigungsministeriums zum Einsturz.

  • 09.45 Uhr

    Die FAA schließt den Luftraum der USA, alle Flugzeuge müssen auf dem nächstgelegenen Flughafen landen. In Washington wird das Weiße Haus evakuiert.

  • 09.59 Uhr

    Der Südturm des World Trade Centers stürzt in einer gigantischen Staubwolke in sich zusammen. Hunderte Zivilisten und Rettungskräfte werden von den Trümmern verschüttet.

  • 10.03 Uhr

    Eine Boeing 757 von United Airlines mit 44 Menschen an Bord, die von New York nach San Francisco fliegen sollte, stürzt nahe Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania in ein Feld. Offenbar hatten Passagiere über Handy von den Anschlägen erfahren und sich gegen die Flugzeugentführer aufgelehnt.

  • 10.28 Uhr

    Auch der Nordturm des World Trade Centers stürzt ein. Über den Süden Manhattans legt sich eine dicke Schicht aus Schutt und Staub.

  • 12.39 Uhr

    Bush verspricht in einer weiteren Stellungnahme, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die US-Streitkräfte seien in die höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Anschließend wird der Präsident auf die Luftwaffenbasis Offutt im Bundesstaat Nebraska in Sicherheit gebracht.

  • 13.50 Uhr

    Der Bürgermeister von Washington, Anthony Williams, ruft für die US-Hauptstadt den Notstand aus.

  • 15.35 Uhr

    Ein US-Regierungsvertreter erklärt, dass das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden verdächtigt werde, hinter den Anschlägen zu stecken.

  • 17.20 Uhr

    Ein Nachbargebäude der Zwillingstürme am World Trade Center stürzt ebenfalls ein. Das Hochhaus war durch herabfallende Trümmer schwer beschädigt worden.

  • 20.30 Uhr

    Der inzwischen ins Weiße Haus zurückgekehrte Bush wendet sich in einer im Fernsehen übertragenen Rede an die US-Bevölkerung. Darin kündigt er ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen und diejenigen an, die den Drahtziehern der Anschläge Unterschlupf gewährt haben.

  • 07.09.2011, 18:24 UhrAnonymer Benutzer: Pendler

    Also ich kenne das sehr gut von meinen Großeltern, die die Bombennächte damals miterlebt haben.

    Es muss einfach schrecklich sein, wenn --zig tausende / Nacht einfach durch Bomben getötet werden und ihrre Leicham Morgen verkohlt überall herum liegen. Es soll eine Sache sein, die jedem Menschen sehr nahe geht, der das mal miterlebt hat.

    Besonders schlimm aber für die USA, weil sie bisher den Tod immer anderen gebracht haben und nun erleben mussten, dass es auch anders herum geht.

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Umfragewerte: Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Ganze drei Prozent verliert die Union in einer aktuellen Umfrage. Mit nur 32 Prozent Zustimmung muss Merkels Partei sogar aufpassen, nicht von der SPD eingeholt zu werden. Doch aus der Partei kommen optimistische Töne.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International