Serie: Mein 11. September
„Ich wollte kein Flugzeug mehr betreten“

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Prominente aus Politik und Wirtschaft schildern, wie sie den Tag erlebten. CDU-Politiker Laschet musste seine Reisepläne ändern.
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Am 11. September 2001 saß ich in einer Sitzung des Auswärtigen Ausschusses des Europäischen Parlaments in Brüssel, als der Ausschussvorsitzende Elmar Brok berichtete, dass ein Sportflugzeug in das World Trade Center geflogen sei. Die ersten Abgeordneten glaubten sofort zu wissen, dass dies ein Terroranschlag sein müsse, während andere auf das Abhandeln der Tagesordnung bestanden. 

Als ich später in mein Büro kam, saßen alle Mitarbeiter vor dem Fernsehen und berichteten von Bildern, nach denen ein zweites Flugzeug in den zweiten Turm gezielt hineingeflogen ist. Der Südturm war bereits eingestürzt und man schaute auf den qualmenden Nordturm, der ebenfalls einstürzte.

Der damalige Generalsekretär des Parlaments, ein Brite, ließ wenig später das Parlament räumen, da nicht ausgeschlossen war, dass symbolträchtige Orte des Westens, also auch in Europa,  Ziel eines weltweiten Angriffs sein könnten und so war auch unsere tiefempfundene Angst, die wir alle verspürten. Ganz gleich aus welchem Mitgliedsland der Europäischen Union man kam. Es war ein besonderes Gefühl der Zusammengehörigkeit in der Bedrohung.

Ich selbst sollte an diesem Tag nach Berlin fliegen zu einem Parlamentarischen Abend, den wir als deutsche Abgeordnete in der Hauptstadt veranstalteten. An diesem Tag jedoch wollte ich kein Flugzeug mehr betreten. Stattdessen bin ich in meine Heimatstadt Aachen gefahren und habe in meiner tiefen Verwirrung den falschen Zug bestiegen, der im belgischen Herbesthal endete. Erst als der Zug dort lange bewegungslos auf dem Bahnsteig stand, merkte ich, dass kein einziger Mensch mehr in diesem Zug war. Mit Mühe und Not ist es mir gelungen, diesen bereits abgeschlossenen Zug zu verlassen.

Selten in meinen Leben hat mich ein Ereignis so ergriffen. In meinem Büro hing ein Kalender von New York, der im Monat September einen Blick von der Brooklyn Brücke auf die Twin Towers zeigte. Ich habe dieses Kalenderblatt nie wieder umgeblättert. Bis heute hängt es in meinem Aachener Büro als Erinnerung an diesen schrecklichen Tag.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September 2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

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