Serie: Mein 11. September
„Mir war klar, dass die USA militärisch antworten würden“

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Jürgen Trittin, damals Umweltminister im Kabinett Schröder, versuchte vergeblich ein befreundetes Ehepaar zu erreichen.
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Ich war an dem Morgen in Berlin auf Wahlkampftour unterwegs - mit einer offenen S-Bahn. Als ich zurückkam in mein Büro, sagte eine Mitarbeiterin: Herr Trittin, da ist ein Flugzeug ins World-Trade-Center geflogen. Ich habe sofort den Fernseher eingeschaltet und sehe den einen brennenden Turm und dann kurz danach, wie das zweite Flugzeug rein fliegt.

Das war so surreal, so unvorstellbar. Ich habe dann zum Telefonhörer gegriffen. Ein Freund von mir wohnte zu der Zeit in New York, nicht weit vorm World-Trade-Center entfernt. Ich wollte wissen, wie es ihm geht. Ich bin sogar durchgekommen und er sagte: Wir werden gleich evakuiert. Mehr nicht, es ging alles sehr schnell.  Ein anderes befreundetes Ehepaar habe ich dann schon nicht mehr erreicht – das Telefonnetz war schon zusammengebrochen.

Spätestens als die Türme zusammenfielen, war mir klar, dass die USA auf diesen Angriff militärisch antworten würden. Wir haben in der Fraktion schon damals sehr nachdenklich gemeint, dass das auf einen neuen Krieg mit dem Irak hinauslaufen könnte.

Den ganzen Tag über gab es unzählige Gespräche. In den Büros und auch auf den Straßen. Ich erinnere mich noch, wie ich dann am Abend nach Hause ging. Auf einmal war die Stadt sehr leer. Ich  traf mich mit meiner Lebensgefährtin in einem Lokal, wo ich häufig und gerne hin gehe. Wir saßen dort fast allein. Irgendwann setzte sich die Wirtin mit an den Tisch und auch da hatten wir kein anderes Thema.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

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  • Witzig. Die Antworten waren schon vor den "Anschlägen" geplant.

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