Serie: Mein 11. September
„Viele wollten reden, zusammenkommen, diskutieren“

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Die Thüringer Ministerpräsidentin Lieberknecht fragte sich, wie eine weitere Eskalation verhindert werden kann.
  • 0

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 sind auch im Freistaat Thüringen unvergessen. Dieser Tag war eine Zäsur für die Weltpolitik und macht uns betroffen wie vor zehn Jahren. Ich kam im August 2001 von einer Studienreise aus den USA zurück und war noch dabei, alle Eindrücke zu verarbeiten.

Als damalige Landtagspräsidentin saß ich am Tag der Anschläge in meinem Büro im Thüringer Landtag. Einer meiner Mitarbeiter kam zur Tür hinein und rief entsetzt, ich solle den Fernseher einschalten. Und dann mussten wir beide sehen, wie das zweite Flugzeug in den Südturm des World Trade Centers einschlug. Wir waren fassungslos, versteinert: Die Bilder sind mir noch heute wie ins Gedächtnis gebrannt. Ich habe dann mit den Menschen, die ich wenige Wochen vorher in den USA besucht hatte, Kontakt aufgenommen. Glücklicherweise war niemand persönlich zu Schaden gekommen.

Dieser Tag war prägend. Bei aller Verteidigung der westlichen Zivilisation fragte ich mich, was haben wir der Welt bisher gegeben? Und werden alle Kulturen unserem Beispiel folgen können? Wie um Gottes Willen kann eine weitere Eskalation verhindert werden, und in welcher Geschwindigkeit können sich die Kulturen annähern?

Davon abgesehen waren die Menschen verunsichert und hatten Angst. In Thüringen galt es deshalb pragmatisch, das Sicherheitskonzept zu überarbeiten. Es entstand das Bedürfnis nach Gesprächen. Viele wollten reden, zusammenkommen, diskutieren: Wie geht es weiter? Wie leben wir künftig miteinander? Wie vermitteln wir diese Ereignisse den Kindern und Jugendlichen?

Am Abend des 11. September 2001 empfing die Jüdische Landesgemeinde zum traditionellen Neujahrsfest Rosch Ha-Schana. Der Vorsitzende, Wolfgang Nossen wurde gefragt, ob er den Empfang absagt. Aber er fand statt. Und das war eine richtige Entscheidung. Denn wir haben an diesem Abend den Dialog für eine neue Welt aufgenommen.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

Kommentare zu " Serie: Mein 11. September: „Viele wollten reden, zusammenkommen, diskutieren“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%