Serie: Mein 11. September
„Wir eilten auf das Dach des New Yorker Metropolitan Clubs“

Die Anschläge vom 11. September 2001 brannten sich tief ins Gedächtnis der Menschen. Kurt Lauk, Präsident des CDU-Wirtschaftsrats befand sich selbst in New York und erlebte wie Stadt zum Erliegen kam.
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Am Morgen war ich mit einem Geschäftspartner im Metropolitan Club in New York zum Frühstück verabredet. Während unseres Gesprächs erhielten wir die Information, dass ein Flugzeug in den Nordturm des World Trade Centers geflogen sei. Wir dachten, ein Privatflugzeug sei vom Kurs abgekommen. Als kurz darauf die Nachricht die Runde machte, ein zweites Flugzeug sei in den Südturm eingeschlagen, war klar, dass es sich um etwas Größeres handeln musste. Das konnte kein Zufall sein. Wir eilten auf die Dachterrasse des Clubs. Und sahen über beiden Türmen des World Trade Centers dünne Rauchwolken aufsteigen.

Unzählige Feuerwehren rasten die 5th Avenue herunter. Man konnte die Aufregung in der Stadt deutlich spüren. Als knapp eine Stunde später als erstes der Südturm einstürzte, hielt New York den Atem an. Die City stand unter Schock, Aufregung und Unruhe überall. Die Menschen versuchten verzweifelt herauszufinden, ob Verwandte und Freunde im Turm gewesen waren. Das war schwierig. Es durfte niemand mehr in die Nähe der Twin Towers und die Telefonnetze waren überlastet. Mit dem Einsturz des zweiten Turms brach dann die Kommunikation fast komplett zusammen.

Die Menschen wollten nur noch raus aus Manhattan. Es fuhren keine U-Bahnen und Taxis mehr. Alle Straßen waren für den öffentlichen Verkehr gesperrt, damit Rettungsfahrzeuge und Feuerwehren freie Fahrt hatten. Ein Heer von Menschen bewegte sich zu Fuß raus aus Manhattan. Die Bevölkerung war unglaublich diszipliniert: Es gab keine Massenpanik oder Plünderungen.

Ich selbst bin in Midtown geblieben. Es war klar, dass wer Manhattan einmal verlassen hatte, nicht mehr zurückkommen konnte. Die Flughäfen, die Geschäfte – alles wurde geschlossen. Das sonst so quirlige, hektische New York lag gespenstisch menschenleer da. Nur einige Restaurants hatten noch geöffnet. Dort saßen die wenigen Zurückgebliebenen. Sie tauschten ihre Erlebnisse, Ängste und Sorgen aus. Ein Zeichen dafür, wie sehr die Ereignisse bewegten. Unterhaltungen von Tisch zu Tisch sind in New York eigentlich mehr als unüblich.

Meine Frau in Deutschland war in tiefer Sorge, konnte mich aber nicht erreichen. Sie wusste, dass ich in der Vergangenheit mehrfach in den Türmen zu tun hatte. Nur durch einen Zufall habe ich sie einen Tag später anrufen können.

Noch heute denke ich mit Schrecken daran, dass ein guter Freund an diesem Morgen einen Vortrag im 104. Stock des World Trade Centers halten sollte. Er war nur noch nicht im Aufzug als das erste Flugzeug einschlug, weil er sich noch eine Packung Zigaretten gekauft hatte.

Lesen Sie hier mehr persönliche Erinnerungen zum 11. September2001 von Handelsblatt-Korrespondenten sowie Prominenten aus Politik und Wirtschaft.

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