Serie Weltökonomen
Obamas Wirtschaftsberaterin: Leise in der Löwengrube

Christina Romer berät US-Präsident Obama in Sachen Wirtschaft. Dabei hätte es die 50-Jährige Professorin, die sich in Berkeley und Princeton einen Namen gemacht hat, vermutlich nie in die Politik geschafft, wäre sie nicht Expertin über die "Große Depression" der 30er Jahre. Nun muss sich Romer gegen die Alphamänner durchsetzen.

WASHINGTON. Auftritte vor den Medien sind nicht ihre Sache: Auch ein halbes Jahr nach der Übernahme eines der wichtigsten Beraterposten im Weißen Haus sieht man Christina Romer an, dass sie sich im Rampenlicht unwohl fühlt. Als sie kürzlich in einem Videochat Fragen zur Gesundheitsreform beantworten musste, wanderten ihre Hände nach einem passenden Ort suchend unruhig durchs Kamerabild. Die Vorsitzende des ökonomischen Beraterkreises beim US-Präsidenten kann nicht verbergen, dass ihre eigentliche Welt die akademische ist - und sie lieber hinter einem universitären Rednerpult steht als vor einer Fernsehkamera.

Romer, die aus Barack Obamas politischer Heimat Illinois kommt, wäre wohl nie in den inneren Zirkel der Macht aufgestiegen, würde ihre Expertise gerade jetzt nicht so sehr nachgefragt. An den Universitäten von Princeton und Berkeley hat sich Romer mit ihrer Forschung über die "Große Depression" der 30er-Jahre einen Namen gemacht. Sie hatte untersucht, welche Rolle die Fiskalpolitik und die Geldpolitik jeweils dabei gespielt haben, dass die USA wirtschaftlich wieder auf die Beine gekommen sind. So hatte sie festgestellt, dass zahlreiche fiskalische Maßnahmen dieser Zeit verpufften, weil gleichzeitig die Steuern erhöht wurden. Obama, der die Regierung auf dem Höhepunkt der Finanzkrise übernahm, konnte jemanden wie Romer gut gebrauchen - um in dieser Depression nicht jene Fehler zu wiederholen, die Jahrzehnte zuvor gemacht worden waren.

Die rundliche Dame, die oft etwas bieder auftritt, hat ihre Karriere parallel mit ihrem Mann David Romer gemacht, der ebenfalls als Ökonom wissenschaftlich arbeitet. An der Uni Berkeley in Kalifornien forschten die beiden Tür an Tür. Und als ihr im Vorjahr das Angebot unterbreitet worden war, nach Harvard an die Ostküste zu wechseln, sollte dies ebenfalls im Doppelpack geschehen. Plötzlich aber legte Harvard-Präsidentin Drew Faust ihr Veto gegen die Berufung ein.

Offiziell gibt es bis dato keine Erklärung für dieses Stopp-Signal. Doch spekuliert wird, dass Christian Romer die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät zu sehr in Richtung "Neuer Keynesianismus" geführt hätte. Am Ende blieben beide Romers in Berkeley - bis Obama rief.

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