Serie zum Georgien-Konflikt: Teil 3
Der letzte Georgier

Im Umfeld der Hauptstadt Zchinwali bietet sich ein gespenstisches Bild. Ausgebrannte Ruinen und Autowracks sprechen eine deutliche Sprache: Kein Georgier soll sich hier mehr zu Hause fühlen. Nur wenige sind geblieben.

ZCHINWALI. Konstantin Kazelaschwili sitzt vor seinem Haus. Der alte Mann mit den Zahnstummeln und dem wettergegerbten Gesicht ist Georgier und mit seinem Bruder wohl der letzte in seinem Dorf, nur wenige Kilometer von der russischen Sicherheitszone im südossetischen Grenzgebiet zu Georgien. "Ich bleibe", sagt er und zur Sicherheit zeigt er seinen ossetischen Pass. Seine Nachbarn sind alle weg, schon vor dem Krieg, sagt er. Ihre Häuser ausgebrannt und geplündert. Das kleine Anwesen der Brüder hat den Krieg auch nicht unbeschadet überstanden - während das alte Haus, in dem er jetzt wohnt, noch halbwegs intakt ist, sind von dem zweistöckigen Neubau, an dessen Resten noch eine große Satellitenschüssel hängt, nur die Außenmauern übrig.

Wie das alles passiert ist, kann der alte Mann nicht mehr sagen, er war schließlich im Keller in Deckung. Gekämpft wurde hier auch, unweit des Dorfes ist ein Posten der russischen Friedenstruppen, doch viele Häuser sehen aus, als ob sie später in Flammen aufgegangen sind.

Hier und im Umfeld der Hauptstadt Zchinwali bietet sich nach Ende des Krieges ein gespenstischer Anblick. Viele georgische Dörfer sind vollständig und systematisch zerstört. Wie viele Georgier geflohen sind, und wie viele geblieben - darüber gibt es widersprüchliche Angaben, die Zahl ist hochpolitisch. Keiner will es so recht gewesen sein: Die russischen Truppen hätten sie angewiesen, sich von den georgischen Siedlungen fernzuhalten, sagt der Kommandeur der örtlichen südossetischen Miliz aus dem Nachbardorf von Kazelaschwili. Daran hätten sie sich gehalten.

Doch glaubwürdig ist das nicht. Am Wochenende meldete sich erstmals der südossetische Präsident Eduard Kokoity zu Wort und forderte seine Landleute auf, die "Provokationen" zu beenden. Das alles klingt aber bestenfalls halbherzig. Die ausradierten Dörfer sprechen eine klare Sprache: Kein Georgier soll sich mehr hier zu Hause fühlen. Unbestätigte Angaben zu Folge, hat die südossetische Regierung auch eine Reihe von Georgiern inhaftiert und abgeschoben.

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