Serie: Zwischen Orient und Okzident
Die Prinzen Saudi-Arabiens suchen nach einer Vision

Immer mehr Prinzen müssen mit Linienflügen vorlieb nehmen. Nur Tage nach seinem Amtsantritt hat König Abdallah von Saudi Arabien das Privileg der königlichen Familie auf exklusives Reisen in Sondermaschinen stark beschnitten. Eine populäre Entscheidung, welche den Ruf des langjährigen Kronprinzen als Reformer stärkte.

RIAD. Abdallah hat in dem religiös-konservativen Königreich erstmals ein Ministerium für Kultur geschaffen. Und zur Buchmesse im Februar ließ er ein kontroverses Kulturprogramm auf die Beine stellen, in dem Medienzensur ebenso diskutiert wurde wie die Auswirkungen des Beitritts zur WTO. Und selbst wenn der 81-jährige Monarch im Fernsehen beim traditionellen Schwertertanz Ardha zu sehen ist, verbreitet dies in Saudi-Arabien Aufbruchstimmung: Die Agonie, welche die letzten Jahre der Regentschaft des kranken König Fahd kennzeichneten, ist vorbei.

Zwar lassen konkrete politische Reformen noch auf sich warten. Kritiker fürchten gar, dass der ständig anwachsende Strom von Petrodollars diese auf Jahre hinaus verzögern wird. Denn mit vollen Staatskassen lassen sich die materiellen Bedürfnisse der Bevölkerung eher befriedigen. So erhöhte König Abdullah wenige Wochen nach seinem Amtsantritt die Gehälter der staatlichen Angestellten um 15 Prozent.

Das Budget für 2006 sieht Ausgaben in Höhe von 89,3 Mrd. Dollar vor – 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Die außergewöhnlichen Einnahmen sollen vor allem in Ausbildung, Gesundheit und Infrastruktur investiert werden. Damit will das Königreich, dessen Bevölkerung jährlich um etwa drei Prozent anwächst, Versäumnisse nachholen. In bisher vernachlässigten Regionen sind neue Universitäten geplant, 2 700 neue Schulen und 440 Gesundheitszentren in allen 13 Regionen des Landes stehen auf dem Programm. Drei neue Häfen sind vorgesehen und die bisher einzige Eisenbahnverbindung von Dammam nach Riad, soll bis Jeddah im Westen fortgesetzt werden.

Auch wenn das Rückgrat dieses Wirtschaftsbooms die Einnahmen aus dem Erdöl sind, so hat der Privatsektor doch anders als beim Boom in den 70er Jahren einen wachsenden Anteil. Nach Angaben John Sfakianakis, Chefökonom der zweitgrößten Bank des Landes, Samba, kam etwa die Hälfte des Wirtschaftswachstums von 6,5 Prozent im vergangenen Jahr aus dem privaten Sektor, der nichts mit Erdöl zu tun hat. Saudische Privatfirmen sind heute allein oder mit Joint-Ventures in der Lage, Großprojekte auszuführen. „Das war in den 70er Jahren nicht der Fall“, sagt Sfakianakis.

Auch der Präsident der Faisaliyah-Gruppe, eines der führenden 20 Privatunternehmen des Landes mit 5000 Mitarbeitern, das in den Sparten Lebensmittel, Konsumelektronik, medizinische Ausstattung und IT-Kommunikation tätig ist, preist diese Entwicklung. Der Privatsektor sei der "wahre Motor" hinter dem Wirtschaftswachstum, sagt der 38jährige Prinz Mohamed bin Khaled al-Faisal. Saudi-Arabien hat in den vergangenen Jahren über 40 Gesetze erlassen, welche das Land für Handel und ausländische Investitionen weiter öffnen. „Markwirtschaftliches Denken hat die Federführung übernommen“, analysiert der Prinz.

Seite 1:

Die Prinzen Saudi-Arabiens suchen nach einer Vision

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%