Sewastopol feiert
Jubel über das Ende der ukrainischen „Besatzung“

Die Krim feiert die Befreiung von der ukrainischen „Besatzung“. Tausende zogen in Sewastopol auf die Straßen, um den Beitritt zu Russland zu feiern. Die Menschen hoffen, dass das Leben einfacher und günstiger wird.
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SewastopolStolz trägt Lucia Prokorowna eine riesige russische Fahne durch die Straßen von Sewastopol. "Wir sind von der Besatzung befreit", jubelt die 60-Jährige, die am Sonntagabend wie tausende andere Menschen in der Hafenstadt auf der Krim das Ergebnis des Referendums feiert. Die Bevölkerung der Halbinsel hat mit überwältigender Mehrheit für eine Abspaltung von der Ukraine und einen Beitritt zu Russland gestimmt.

In Sewastopol, wo seit mehr als 200 Jahren die russische Schwarzmeerflotte stationiert ist, sind die Menschen schon den ganzen Tag in Feierlaune. Die Siegesfeier mit Livemusik auf dem zentralen Nachimow-Platz hat schon lange vor der Schließung der Wahllokale begonnen. Da die meisten der 350.000 Einwohner russische Wurzeln haben, haben hier alle mit einer klaren Mehrheit für die Rückkehr zu Russland gerechnet, das viele ohnehin als ihre Heimat betrachten.

Die russische Kaiserin Katharina die Große hatte die Krim 1783 von den Osmanen erobert und Sewastopol gegründet, das bald zum wichtigsten russischen Flottenstützpunkt im Schwarzen Meer wurde. Erst vor 60 Jahren wurde die Krim von Nikita Chruschtschow der ukrainischen Sowjetrepublik zugeschlagen.

Natürlich habe sie bei dem Referendum ihre Stimme abgegeben, erzählt Lucia Prokorowna. Vorher habe sie die halbe Nacht nicht schlafen können, weil sie sich so sehr auf den Moment gefreut habe, "wenn wir zu Russland gehören."

Auf dem Nachimow-Platz, der nach einem berühmten russischen Admiral benannt ist, feiern rund 5000 Menschen das Ergebnis mit "Sewastopol"- und "Russland"-Rufen. "Ja, ich fühle mich russisch - es fühlt sich großartig an", sagt die 29-jährige Viktoria Niamschenko.

Die russische Rockband Lubeh, die für ihre patriotischen Lieder bekannt ist, hat vor allem junge Leute auf den Platz gelockt. Die 39-jährige Samadowa Wiktorowna hat ihre beiden Kinder, die acht und elf Jahre alt sind, mit zum Konzert genommen. "Es ist großartig", schwärmt sie. "Sehen sie nur, wie viele Leute hier sind." Die Menschen in Sewastopol setzten "große Hoffnungen" auf den Beitritt zu Russland.

Zu ihnen gehört auch Roman Sawut, ein 21-jähriger Geschäftsmann mit Lederjacke und Sonnenbrille im Haar. "Die Voraussetzungen sind in Russland viel besser", sagt er. In der Ukraine sei das Leben schwieriger, "weil die Preise immer steigen". Als Teil von Russland werde das Leben auf der Krim besser: "Benzin wird billiger, öffentliche Dienstleistungen werden billiger und für Russland wird unsere Stadt Priorität haben."

Auch auf den Straßen der Krim-Hauptstadt Simferopol wird bis spät in die Nacht gefeiert. "Ich möchte, dass sich die Krim Russland anschließt, weil Russland meine Heimat ist", sagt der 36-jährige Alexej. "Heute ist ein großartiger Tag. Ich werde meinen Pass so bald wie möglich gegen einen russischen Pass eintauschen. Das Leben wird anders und besser sein."

Auch in Simferopol wehen überall russische Fahnen, viele Menschen haben ihre Gesichter in den russischen Landesfarben weiß, blau und rot geschminkt. Der 36-jährige Nikolai Terkatsch hat stattdessen die rote Fahne des früheren Sowjetunion mit Hammer und Sichel dabei. "Das ist die Flagge meiner Kindheit", sagt der Bauarbeiter. Sie sei für ihn ein "patriotisches Symbol". Natürlich seien Russland und die Sowjetunion nicht dasselbe, fügt er hinzu. "Aber heute empfinden wir alle ein Gefühl des Sieges."

Die 35-jährige Tamara Lujkoko hat ihren zweijährigen Sohn auf dem Arm. "Der Kleine wird sich nicht an die Ukraine erinnern und das ist gut so", sagt sie lächelnd. "Er ist immer russisch gewesen, so wie wir."

Der Chef der Regionalregierung auf der Krim, Sergej Aksjonow, dankte unterdessen Russland für die Unterstützung. Es wird damit gerechnet, dass das Krim-Parlament bereits in Kürze die ersten formellen Weichen für eine Aufnahme in die Russische Föderation stellt, bevor Aksjonow nach Moskau reist. In der Krim-Hauptstadt Simferopol erleuchteten Feuerwerke den nächtlichen Himmel. "Geehrt sei Putin, er ist ein großer, großer Präsident", jubelte die 52-jährige Olga Pelikowa.

Doch es gab auch enttäuschte Stimmen. "Ich erkenne das hier überhaupt nicht an", sagte Schewkaje Assanowa. "Dies ist mein Land. Dies ist das Land meiner Vorfahren. Wer hat mich gefragt, ob ich das will oder ob nicht?", sagte die Frau, die zur Minderheit der Tataren auf der Krim gehört. Sie fürchten, dass sie wie zu Zeiten, als die Krim von Moskau beherrscht wurde, wieder unterdrückt werden könnten.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Ohnmacht des Westens
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    Der Artikel beschreibt es sehr gut. Putin ist der Starke.

    "Der Starke nimmt sich, was er braucht, der Schwache muss geben. In einem solchen Politikverständnis ist ein US-Präsident, der viele Reden hält, aber nichts umsetzt, der rote Linien in Syrien zieht, sich aber nicht traut, ihr Überschreiten zu bestrafen, kein richtiger Kerl, sondern ein Feigling, der kneift, wenn es ernst wird."

    Und die EU kann man vergessen. Sie ist sich nicht einig und versucht es wie immer mit der "Scheckbuch-Diplomatie". Diese wird aber scheitern.
    Putin lässt sich davon nicht beeindrucken.
    Inzwischen wächst in der EU, und vor allem in Deutschland die Angst, dass Putin als Gegenmaßnahme die Gaslieferungen stoppen könnte.

    "Putin dürfte sich nach seiner Wiederwahl 2018 noch weitere zehn Jahre im Amt halten – eine kleine Ewigkeit. «Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor», hieß es einst bei den Römern. Das ist leider auch nach 2000 Jahren für Europa wieder eine Handlungsempfehlung von erschreckender Aktualität."

  • Danke HB das sie als fast einzige Mainstream Presse auch positives über die Abstimmung in der Ukraine berichten.

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