Sex-Gerüchte statt Kriegsdebatte
Die Schlammschlacht beginnt

Nicht nur die Klatschpresse, auch seriöse US-Medien wühlen bereits im politischen Dreck, um Präsident Bush und seinen möglichen demokratischen Herausforderern einen Skandal oder wenigstens Charaktermängel ans Zeug zu flicken. Jüngste Spekulation: Auch Senator John Kerry soll seine „Lewinski-Affäre“ gehabt haben.

HB WASHINGTON. Die Zeichen für einen üblen Präsidentschaftswahlkampf in den USA mehren sich also. Es droht „der schmutzigste Wahlkampf in der US-Geschichte“, schrieb am Freitag die konservative „Washington Times“.

Das Sensationsblatt „National Enquire“ und der journalistisch berüchtigte Drudge-Report haben vor allem den Favoriten für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, John Kerry, aufs Korn genommen. Er wird als hemmungsloser Frauenheld („womanizer“) beschrieben, der seine erste Ehefrau in die Verzweiflung getrieben habe - und sogar eine Affäre mit einer Praktikantin gehabt habe. Die Anspielung auf die „Lewinski-Affäre“ von Ex-Präsident Bill Clinton ist unübersehbar.

Zudem habe Kerry früher Marihuana geraucht. Alle Fernsehsender präsentierten 30 Jahre alte Bilder des mit hohen Orden ausgezeichneten Vietnam-Veteranen, der später ein populärer Vietnam- Kriegsgegner wurde. Bei einer Demonstration in Washington sitzt Kerry kaum erkennbar drei Reihen hinter dem Filmstar Jane Fonda. Die entschiedene Gegnerin des Vietnam-Krieges gilt Konservativen als personifizierte Landesverräterin, sie wird bis heute als „Hanoi-Jane“ diffamiert.

Die Republikaner präsentierten am Freitag Fernseh-Wahlkampfspots, in denen Kerry, der gegen Bushs Politik „für die Privilegierten“ wettert, selbst als Nutznießer von Geldern großer Konzerne dargestellt wird. „Ein Mann ohne Prinzipien?“ wird da scheinheilig gefragt.

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