Sex-Skandale: Keine Prüderie in Italien

Sex-Skandale
Keine Prüderie in Italien

Über die Entrüstung über den jüngsten Sex-Skandal in den USA kann man sich in Rom nur wundern. Denn die Italiener sind mit Berlusconis Affären ganz andere Kaliber gewohnt.
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MailandIn Italien hat man sich schon während der Clinton-Affäre über die Amerikaner gewundert. Vor Silvio Berlusconi und seinen Sex-Skandalen waren Affären von Politikern oder anderen gesellschaftlichen Größen überhaupt kein Thema. Selbst wenn ein Verhältnis in den entsprechenden Kreisen bekannt wird, landete das noch lange nicht in den Medien.

Die außerehelichen Eskapaden werden meist erst bekannt, wenn die betroffenen Personen ihre Ehepartner verlassen. Auch ein bekennender Katholik wie Pierferdinando Casini, der Anführer der christdemokratischen UDC, hat seine Ehe gebrochen und lebte lange ohne Trauschein mit seiner neuen Partnerin zusammen. Das gleiche gilt für den ehemaligen Vorsitzenden der Alleanza Nazionale Gianfranco Fini. Für Aufruhr sorgte das nicht.

Berlusconi war vielleicht auch wegen der vielen involvierten Frauen eine Ausnahme. Außerdem waren die Auslöser für den Skandal brisant: Zunächst schrieb die Ehefrau Veronica Lario in der Zeitung „La Repubblica“ einen öffentlichen Brief an ihren Mann, in dem sie noch recht verschlüsselt von Jungfrauen sprach, die sich dem Drachen anbieten. Konkreter wurde es , als die Marokkanerin „Ruby“ auf eine Polizeistation gebracht wurde und dort ihr Verhältnis zum damaligen Premier herauskam.

Zurücktreten musste aber auch Berlusconi nicht wegen des Sexskandals, für den ihn insgeheim vielleicht so mancher Mann beneidet, sondern auf Druck der Finanzmärkte.

 

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