Sexskandal
Italiens Linke wandelt auf Berlusconis Spuren

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi bietet der Opposition mit seinen zahllosen Eskapaden immer wieder große Angriffsflächen. Die größte Oppositionspartei PD muss sich jetzt aber erst mal auf sich selbst konzentrieren. Denn auch bei den Linken gibt es einen Sexskandal.
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HB ROM. Ein Video von einem möglicherweise kompromittierenden Erotik-Abenteuer, Dementis, Ermittlungen: Bisher schien der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi darauf das Monopol zu haben. Doch seit dem Wochenende wird auch die größte Oppositionspartei PD von einem Sexskandal erschüttert. Dabei wollte die Demokratische Partei am Sonntag eigentlich mit der Wahl eines neuen Chefs endlich wieder in die Offensive gehen.

Laut Medienberichten vom Samstag gibt es ein Video, das den ranghohen PD-Politiker Piero Marrazzo mit einem Transsexuellen in einer römischen Wohnung zeigt. Vier Polizisten sind in Haft, weil sie versucht haben sollen, den 51-jährigen Marrazzo mit dem Video zu erpressen.

Die Behörden bestätigten entsprechende Ermittlungen. Marrazzo, Gouverneur der wichtigen Region Latium, beteuerte, es handele sich dabei um eine Fälschung, mit der er aus der Politik gedrängt werden solle. Gleichwohl kündigte er seinen Rückzug von seinen Parteiämtern an und übergab die Amtsgeschäfte bereits seinem Stellvertreter.

Er wolle der Linkspartei nicht schaden und auch seine Familie aus der Debatte um seine Person heraushalten, betonte Marrazzo. Zu Einzelheiten des Falls werde er sich erst nach Abschluss der Ermittlungen äußern.

Der Skandal beherrschte am Wochenende die Titelseiten, die Berlusconi sonst für sich gepachtet zu haben scheint. Die Urwahl eines neuen PD-Vorsitzenden geriet fast in den Hintergrund. Um den Posten bewerben sich Amtsinhaber Dario Franceschini sowie der frühere Industrieminister Pier Luigi Bersani und Iganzio Marino. Letzterer gilt als Außenseiter, Bersani indes als Favorit. Sollte er am Sonntag nicht die absolute Mehrheit erhalten, kommt es auf dem Parteitag kommenden Monat zur Kampfabstimmung.

Die größte Oppositionspartei hat sich von ihrer Niederlage gegen Berlusconis Konservative im April 2008 noch immer nicht erholt. Selbst von den zahlreichen Sex- und Chauvinisumus-Skandalen des Amtsinhabers konnten die Linken nicht profitieren, und nun ist ihnen für Attacken auf den Regierungschef der Wind aus den Segeln genommen.

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