Shinzo Abe
Japans Regierungschef Abe auf Europa-Tour

Lange war kein Regierungschef aus Japan zu Besuch in Berlin – jetzt kommt Ministerpräsident Abe. Die Empfehlung, sich an Deutschlands Aussöhnung mit Kriegsgegnern ein Vorbild zu nehmen, kommt allerdings nicht gut an.
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Tokio/BerlinDie „Goldene Woche“ gehört für Japaner zu den Höhepunkten des Jahres – vier Feiertage rund um den 1. Mai, aus denen sich mit etwas Geschick ein richtiger Urlaub basteln lässt. Ansonsten passiert in dieser Zeit normalerweise nicht allzu viel. Ministerpräsident Shinzo Abe nutzt die Gelegenheit, um gleich zehn Tage durch Europa zu touren. Erste Station ist Deutschland, wo an diesem Mittwoch Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck auf dem Programm stehen.

Wer eine Ahnung davon hat, wie viel Wert in Japan aufs Protokoll gelegt wird, weiß dies zu schätzen – als Bekenntnis, dass Berlin für Tokio in Europa nach wie vor der wichtigste Partner ist. Gemeinsam gehört man seit Beginn zum Zirkel der sieben großen Industrienationen (G7). Gemeinsam bemüht man sich nun auch seit vielen Jahren schon um einen Ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat – bislang allerdings ohne jeden Erfolg.

Gemeinsam sind in der Außenpolitik aber auch neue Töne – sowohl Japan als auch Deutschland haben sich in letzter Zeit bereiterklärt, international mehr Verantwortung zu übernehmen. In Berlin gehört dies seit Arbeitsbeginn der neuen großen Koalition im Dezember zu den wichtigsten Ansagen von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). In Tokio hat diesen Part Abe selbst übernommen, der schon ein Jahr länger wieder im Amt ist – mit deutlich mehr Betonung des Militärischen.

Der Präsident der rechtskonservativen Liberaldemokraten nennt dies „proaktiven Pazifismus“. Dabei hat der 59-Jährige den wachsenden Einfluss Chinas im Blick, mit dem sich sein Land seit einer Weile wieder heftig über einige unbewohnte Inseln streitet. Japan habe die letzten Jahrzehnte „mehr als seinen fairen Anteil“ an Zahlungen für die Vereinten Nationen geleitet, schrieb Abe in der Zeitung „South China Morning Post“. „Unsere globalen Verantwortungsbereiche dehnen sich auf Japans Selbstverteidigungsstreitkräfte aus.“

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  • "Die Empfehlung, sich an Deutschlands Aussöhnung mit Kriegsgegnern ein Vorbild zu nehmen, kommt allerdings nicht gut an. "
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    Solche Sprüche kommen bei Japanern überhaupt nicht gut an. Deutschland, genauer gesagt, seine derzeitige Politkamarilla sollte sich hier zurückhalten und nicht wieder den politisch korrekten Moralapostel spielen! Japan und Deutschland verbindet eine Freundschaft, die inzwischen über 150 andauert, eine Seltenheit bei Nationen. Da sollte man sich eigentlich gegenseitig ein bißchen besser kennen.

    "Abe selbst sorgte Ende vergangenen Jahres für neue Verstimmungen, in dem er den Yasukuni-Schrein besuchte – jenen Schrein, in dem Japan auch Kriegsverbrechern gedenkt."
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    Diese "auch" ist der Knackpunkt. Yasukuni Jinja ist ein heiliger Ort, an dem seit 1868 *aller* japanischen Kriegsgefallenen, ja sogar ausländischer und feindlicher gedacht wird. Sogar gefallener Armeehunde wird hier gedacht (Ein Deutscher Schäferhund diente als Modell für die „Statue zur Beruhigung der Seelen der Armeehunde“.)
    Der Schrein gehört zudem zu den Chokusaisha mit besonderen Rechten auf Beachtung durch das Kaiserhaus. Niemand hat das Recht, einen Besuch dieses Ortes infragezustellen. Daran internationale Politik aufzuhängen, ist hemdsärmelig und für (traditionsbewußte) Japaner nicht verständlich. Es wird eben nicht in jedem Land wie in Deutschland alle Tradition und aller Patriotismus einfach über Bord geworfen und abgeschafft.

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