Sibirienreise
Nordkoreas Führer triff Medwedew

In einem gepanzerten Sonderzug hat Kim Jong Il den Osten Russlands bereist. In Sibirien traf der Machthaber mit Dmitri Medwedew zusammen. Nordkorea braucht dringend Hilfe, um seine Wirtschaftskrise zu überwinden.
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Ulan UdeZum Höhepunkt seiner Sibirienreise hat Nordkoreas Führer Kim Jong Il bei Ulan-Ude den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew getroffen. Kim habe seine Zustimmung zum Bau einer Pipeline und zur Wiederaufnahme der Verhandlungen über das umstrittene Atomprogramm seines Landes signalisiert, hieß es am Mittwoch von russischer Seite. Kim beendete in Ulan Ude eine viertägige Bahnreise durch den fernen Osten Russlands.

Kim wolle eine Wiederaufnahme der Sechser-Gespräche zum Atomprogramm „ohne Vorbedingungen“, sagte die Kreml-Sprecherin Natalja Timakowa nach dem Treffen in einer Garnison nahe der Großstadt Ulan-Ude. Für diesen Fall sei der nordkoreanische Machthaber zu einem Moratorium beim Test von Atomwaffen bereit. Kim bekräftigte damit eine Äußerung von Anfang August, die Gespräche mit den USA, Südkorea, Russland, Japan und China „in naher Zukunft“ wiederaufnehmen zu wollen. Nordkorea hatte die Verhandlungen im April 2009 abgebrochen.

Die Gespräche mit Kim seien „offen und substanziell“ gewesen, sagte Medwedew. Nach Angaben des Kreml ging es um die Stärkung des politischen Dialogs und der humanitären Kontakte. Soweit er verstehe, wolle Kim den Bau einer Pipeline von Russland nach Südkorea unterstützen, sagte der russische Präsident. Die geplante Pipeline des russischen Energiekonzerns Gazprom soll über eine Strecke von mehr als 1700 Kilometer jährlich bis zu zehn Milliarden Kubikmeter Gas transportieren. Es soll nun ein Abkommen dazu ausgearbeitet werden.

Kim wollte bei der Reise um Hilfe zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise in seinem Land werben, das derzeit unter ernsten Versorgungsengpässen leidet. Nach EU-Angaben ist ein Teil der Bevölkerung bereits gezwungen, Gras zu essen. Vor der Ankunft des nordkoreanischen Machthabers in Russland kündigte der Kreml die Lieferung von bis zu 50.000 Tonnen Weizen in das isolierte Nachbarland an. Traditionell sind Pjöngjangs Beziehungen zum ebenfalls kommunistischen China enger als zu Russland. Angesichts der Krise bemüht sich Kim nun offenbar aber um eine Annäherung.

Der nordkoreanische Machthaber hatte am Samstag mit seinem gepanzerten Sonderzug die Grenze zu Russland überquert. Aus Sicherheitsgründen hielt der Kreml Einzelheiten zur Reiseroute des Gastes geheim, der grundsätzlich mit dem Zug reist. Kim besuchte auf der Fahrt ein Wasserkraftwerk, eine Flugzeugfabrik und den Baikalsee. Bei dem Treffen mit Medwedew in der Garnison von Sosnowi Bor nahe der traditionell buddhistischen Stadt Ulan Ude sagte Kim, sie hätten eine „sehr angenehme“ Reise gehabt.

Vor dem Treffen hatte die nordkoreanische Delegation die Innenstadt von Ulan-Ude besucht. Wie die lokale Presse berichtete, besichtigte sie dabei auch einen Supermarkt. Kim habe die Spezialität Räucherlachs gelobt, während seine Entourage Brot und Konserven eingekauft habe. Auf dem Hauptplatz habe sich der nordkoreanische Führer vor einem Lenin-Denkmal verneigt, hieß es weiter.

Bei dem anschließenden Treffen mit Medwedew erschien der 69-Jährige müde und ließ sich die Treppen hinauf helfen. Auf dem Garnisonsgelände waren für den Gast als Verweis auf das nomadische Erbe der Region ein weißes Zelt und zwei Jurten aufgebaut.

Offiziellen Angaben zufolge gab es Kamtschatka-Krabben, Lachskaviar und französischen Wein zum Essen. Es wurde erwartet, dass Kim am Mittwochabend die Rückreise antreten würde.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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