Sicherheitsbedenken
Weniger Uno-Personal im Irak wegen Terrorangst

Nach den Anschlägen auf das Uno-Hauptquartier in Bagdad haben die Vereinten Nationen am Donnerstag eine Reduzierung ihres Personals im Irak angekündigt und dabei auf Sicherheitsbedenken verwiesen. Die Uno teilte in New York mit, sie werde zunächst 19 ihrer 105 internationalen Mitarbeiter aus dem Golfstaat abziehen. Weiteres Personal werde folgen.

HB NEW YORK/BAGDAD. Uno-Generalsekretär Kofi Annan folgte mit der Entscheidung am Donnerstag seinen Sicherheitsberatern. Zuvor hatte sich der russische Präsident Wladimir Putin in einer Rede vor der Uno- Vollversammlung für eine starke Rolle der Weltorganisation beim Wiederaufbau des Irak ausgesprochen. In Bagdad erlag unterdessen die irakische Spitzenpolitikerin Akila el Haschimi fünf Tage nach einem Anschlag ihren schweren Verletzungen. Nach amerikanischen Medienberichten wird die US-Regierung in Washington nach monatelanger intensiver Suche im Irak offiziell einräumen müssen, dass im Irak bisher keine Massenvernichtungswaffen gefunden wurden.

Der Uno-Generalsekretär hat nach Angaben seines Sprechers Fred Eckhard den Rückzug der überwiegend leitenden Uno-Mitarbeiter in das benachbarte Jordanien angeordnet. Nach seinen Angaben halten sich derzeit von den einst mehr als 650 internationalen Uno-Helfern nur noch 42 nicht-irakische Mitarbeiter in Bagdad und 44 im Norden des Landes auf. „Diese Zahl wird in den kommenden Tagen weiter abnehmen“, gab Eckhard offiziell bekannt. Die dringendste humanitäre Hilfe solle zunächst mit den mehr als 4000 irakischen Uno-Mitarbeitern gewährleistet werden.

Nach Einschätzung von Uno-Diplomaten in New York ist die Anordnung Annans ein schwerer Schlag für die Bemühungen der USA um größere internationale Legitimität für ihr Besatzungsregime. Nach seinem zweitägigen Besuch bei den Uno kehrte US-Präsident George W. Bush ohne konkrete internationale Zusagen für Hilfen im Irak nach Washington zurück. Er habe zwar „beträchtliches Verständnis“ für seinen Standpunkt bekommen, dass eine Übertragung der Regierungsgewalt an die Iraker „nicht zu rasch“ geschehen dürfe, zitierten US-Medien am Donnerstag amerikanische Regierungsbeamte. Es könne aber erhebliche Zeit - möglicherweise sogar mehrere Monate - dauern, bis eine neue Uno-Resolution ausgehandelt worden sei.

Putin forderte am Donnerstag eine starke Rolle der Vereinten Nationen beim Wiederaufbau des Irak. Das Land werde nur dann „den ihm angemessenen Platz in der Welt“ bekommen, wenn die Uno bei seinem Aufbau aktiv mitwirken. Es sei bemerkenswert und spreche für die Bedeutung der Vereinten Nationen, dass die Irak-Krise trotz der vielen unterschiedlichen Lösungsideen jetzt wieder in das Spielfeld der Weltorganisation zurückkehre.

In Bagdad gab ein amerikanischer Militärsprecher den Tod der Spitzenpolitikerin Akila el Haschimi bekannt. Sie erlag fünf Tage nach einem Anschlag ihren schweren Schussverletzungen. Die schiitische Politikerin, die unter dem Regime von Saddam Hussein im Außenministerium gearbeitet hatte, saß als eine von drei Frauen im provisorischen irakischen Regierungsrat. Ubekannte Täter hatten sie am vergangenen Samstag vor ihrem Haus in Bagdad angeschossen.

Nach rund vier Monaten intensiver Suche im Irak wird die US- Regierung offiziell einräumen müssen, dass bisher keine Massenvernichtungswaffen gefunden wurden. Wie US-Medien am Donnerstag berichteten, will der amerikanische Leiter des 1200 Mann umfassenden Suchteams, David Kay, in Kürze dem Kongress einen entsprechenden Zwischenbericht zuleiten. Bush hatte den Irak-Krieg hauptsächlich mit der irakischen Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen begründet.

Am Donnerstag wurden bei einem neuen Anschlag auf ein Hotel im Zentrum Bagdads ein somalischer Hotelangestellter getötet und zwei Personen verletzt, wie irakische Sicherheitskräfte mitteilten. in dem Hotel ist das Bagdader Büro des US-Fernsehsenders NBC untergebracht.

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