Sicherheitskonferenz
Auftritt der Good Boys

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz inszenieren sich Obamas Abgesandte als interessierte, verständnisvolle Partner. Dieses Mal stören andere.

MÜNCHEN. Von der "Blue Spa"-Bar im siebenten Stock des Bayerischen Hofs sieht die Welt sehr geordnet aus, erst recht für einen Realpolitiker wie Henry Kissinger. Draußen schneit es, im offenen Kamin flackert schon um 7 Uhr 30 ein Feuerchen, Kissingers Blick schweift über die Münchener Kulisse mit der eingerüsteten Frauenkirche. Und vor Kissinger, einem Mann Mitte 80, sitzt ein Teil der europäischen Zukunft. Sogenannte "young leaders", politischer Nachwuchs aus ganz Europa, den die Hamburger Körber-Stiftung ausgewählt hat.

Bevor Kissinger ihnen die Welt erklärt, muss er noch ein Anliegen loswerden. "Aber sagen Sie mir auch, was Sie denken. Sagen Sie, falls Sie nicht einverstanden sind." Der Welterklärer als demütiger Diskutant. In diesem Moment ist der frühere US-Außenminister so etwas wie die leibhaftige zentrale Botschaft der Amerikaner auf dieser Münchner Sicherheitskonferenz.

"Wir hören zu. Wir brauchen euren Rat. Wir stimmen ab." Diese Worte hat auch US-Vize-Präsident Joe Biden gewählt, als er am Samstag die mit großer Spannung erwartete erste außenpolitische Rede der neuen Obama-Administration in Europa hält.

Es ist das Mantra, das die amerikanische Delegation an diesem Wochenende beharrlich in verschiedenen Versionen vorführt. Die gesamte Münchner Sicherheitskonferenz ist eine einzige Inszenierung, Arbeitstitel des Stücks könnte wahlweise "Der gute Amerikaner" oder besser noch, "Amerika ist wieder gut" sein.

Am Freitag, noch bevor es in München wirklich losgeht, findet eine Art Generalprobe für die Aufführung auf großer Bühne statt - und zwar in der CSU-Zentrale in der Nymphenburgerstraße.

CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg hat zu einer Vorkonferenz geladen. Fast 100 Deutsche und Jetlag-geplagte Amerikaner sind unter sich, es herrscht ausgelassene Stimmung. Man kennt sich, versteht sich, man trifft sich jedes Jahr am selben Ort. Fast alles wie immer also. Denn als Dreingabe zu Sauerkraut und Würstchen gibt es die Schlüsselbotschaft des stellvertretenden US-Außenministers und neuen Sondergesandten Richard Holbrooke. Aus Washington weht neuer Wind, lautet die. "Wir wollen euren Rat, wir brauchen ihn."

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