Sicherheitskonferenz braucht einen neuen Chef
Gesucht: Mr. Transatlantik

Gesucht wird nicht mehr und nicht weniger als „Mr. Transatlantik“. Die Organisation der Sicherheitskonferenz gilt zwar nur als Nebenjob. Für die Bundesregierung aber ist die frühere „Wehrkundetagung“ ein enorm wichtiges Aushängeschild geworden. Die Zuwendungen für die eigentlich private Konferenz lässt sich die Regierung rund eine halbe Million Euro kosten. Da will man mitreden.

BERLIN. Alles hätte so schön werden können. Der „Bayerische Hof“ in Münchens Mitte hat sich herausgeputzt, Hunderte von Sicherheitskräften stehen bereit. Für anderthalb Tage kann die bayerische Hauptstadt also wieder zum Zentrum internationaler Sicherheitsdebatten werden. Und Jahr für Jahr hat Organisator Horst Teltschik es genossen, dabei im besten Sinne des Wortes im Mittelpunkt zu sitzen – als Moderator aller Panels.

Jahr für Jahr konnte man getrost auf den diplomatischen Knall warten. Er kam immer. In München wird heftig gestritten, gespalten und versöhnt – 2007 etwa trieb Russlands Präsident Wladimir Putin den Adrenalinspiegel in die Höhe.

Doch wenn der frühere außenpolitische Berater Helmut Kohls und Boeing-Repräsentant diesmal in seinem breiten bayerischen Englisch die 44. Konferenz eröffnet, ist alles anders. Die heißesten Spekulationen, die München derzeit zu bieten hat, kreisen um den Namen seines Nachfolgers. Die zehnte Konferenz ist definitiv die letzte des 67-Jährigen. Und die Personalie ist derart sensibel für die Große Koalition, dass sich Kanzlerin, Außen- und Verteidigungsminister persönlich darüber beugten.

Gesucht wird nicht mehr und nicht weniger als „Mr. Transatlantik“. „Mr. Transatlantik“ muss über beste Drähte in die USA verfügen und im Minenfeld zwischen Bundeswehr und großkoalitionärer Politik überleben können. Die Union möchte nicht, dass sich ein SPD-Politiker als oberster Amerika-Versteher präsentiert. Die SPD will nicht, dass ein Christdemokrat sie auf der stark von „Falken“ dominierten Konferenz vorführt. Den Posten erhält also nur ein mit allen Wassern gewaschener, unabhängiger Diplomat – weshalb der „Münchner Merkur“ prompt Wolfgang Ischinger, den deutschen Botschafter in London, zum Favoriten ausrief.

Wie schwer der Job ist, spürte auch Teltschik 2007, als er gleich beide Seiten verärgerte. Amerikaner und Unionspolitiker murrten über den Auftritt von Irans Atom-Unterhändler. Außenminister Frank-Walter Steinmeier ärgerte sich, dass Teltschik ihm nach seiner klimawandelgeprägten Rede hörbar zuraunte, er habe eigentlich nicht den Umweltminister eingeladen.

Noch einmal aber darf Organisator Teltschik nicht nur im Mittelpunkt sitzen, sondern auch stehen: Vielleicht, so munkelt man, gibt er selbst am Samstag seinen Nachfolger bekannt.

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