Sicherheitskonferenz in München
Gates warnt vor Spaltung der Nato

US-Verteidigungsminister Robert Gates hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz erneut eindringlich vor einer Spaltung der Nato gewarnt. An den "Drückebergern" unter den europäischen Nato-Partnern bei Kampfeinsätzen in Afghanistan übte er deutliche Kritik.

HB MÜNCHEN. „Wir dürfen und können keine zweigeteilte Allianz werden aus denen, die bereit sind zu kämpfen und denen, die dies nicht sind“, sagte Gates am Sonntag auf der Münchner Sicherheitskonferenz. „Eine solche Entwicklung mit all ihren Konsequenzen würde die Allianz zerstören“, betonte er. In Afghanistan müsse die Nato zusammenstehen, um sich der Herausforderung zu stellen. Dabei dürfe kein Verbündeter gezwungen sein, „einen unangemessenen Anteil am Kämpfen und Sterben zu übernehmen“.

Gates räumte ein, dass jedes Land selbst über seinen Beitrag für den Nato-Einsatz in Afghanistan entscheiden müsse. Jedes Land solle das tun, was es am besten zu leisten im Stande sei. Gemeinsam habe man aber die Verpflichtung, mehr zu tun, um den Anforderungen zu genügen. Gates lobte ausdrücklich das Engagement der Bundeswehr im Norden Afghanistans. Deutschlands Beitrag dort sei „extrem wichtig“.

Vor dem Hintergrund der Kritik an den jüngsten US-Forderungen zu einer gerechten Lastenverteilung sagte Gates: „Deutschland ist vielleicht ein wenig überempfindlich.“ Niemand wolle mit dem Finger auf Deutschland zeigen, sagte Gates. Das Problem sei das umfassende Engagement der Allianz, nicht das einzelner Länder. Gates fügte hinzu, es sei doch offensichtlich, dass manche in Afghanistan kämpften und andere eben nicht.

„In der Nato sollten nicht einige Verbündete den Luxus haben, sich nur für stabilisierende und zivile Operationen zu entscheiden und damit andere Verbündete zu zwingen, eine unangemessen große Last beim Kämpfen und Sterben zu tragen“, sagte Gates am Sonntag. Später fügte er auf Nachfrage hinzu: „Die Deutschen machen einen hervorragenden Job im Norden“, und „die Leute sollten das tun, was sie am besten können“, sagte er. Die Bundeswehr stelle das drittgrößte Kontingent in Afghanistan.

Aber er kritisierte auch: „Viele Europäer stellen den Wert unserer Aktionen in Frage und bezweifeln, ob die Mission das Leben ihrer Söhne und Töchter wert ist. Zerbrechliche Koalitionsregierungen machen es schwierig, dieses Risiko einzugehen.“

Er sei besorgt, „dass viele Menschen auf diesem Kontinent die Größe der direkten Bedrohung der europäischen Sicherheit nicht verstanden haben“, sagte Gates und wandte sich direkt an die europäischen Bürger, indem er die begangenen und die verhinderten Terroranschläge in Deutschland, Großbritannien, Spanien und anderen Ländern aufzählte. „Die Gefahr des gewalttätigen islamischen Extremismus ist real, und sie wird nicht weggehen“, mahnte Gates.

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