Sicherheitskonferenz
John McCain reist nach München

Die Münchner Sicherheitskonferenz hat alle Chancen, kommenden Februar zum Schauplatz des ersten transatlantischen Schlagabtauschs unter dem neuen US-Präsidenten Barack Obama zu werden. Nach Informationen des Handelsblatts wird Obamas republikanischer Gegner im Präsidentschaftswahlkampf, John McCain, vom 6. bis 8. Februar nach München reisen.

BERLIN. McCain wird dort die traditionell große Delegation von US-Senatoren anführen. Eine entsprechende Entscheidung habe der Senator bereits gefällt, heißt es in Washington. McCain dürfte damit zu einem der Stars der Sicherheitskonferenz werden, die erstmals von dem Ex-Diplomaten Wolfgang Ischinger geleitet wird.

Und die Chance ist groß, dass kurz nach Obamas Amtsantritt in Washington auch der im Amt bleibende US-Verteidigungsminister Robert Gates anreist. Die Teilnahme der Pentagon-Chefs hat schließlich Tradition in München. Gates wäre dann der erste Minister des Obama-Kabinetts, der Deutschland besucht. Dass sogar die gestern zur künftigen Außenministerin gekürte Hillary Clinton nach München kommen wird, gilt allerdings als unwahrscheinlich.

Die Deutschen dürften in der bayerischen Landeshauptstadt dennoch erstmals in der Obama-Ära öffentlich hören, welche Beiträge sich die neue US-Administration von ihren Verbündeten etwa in Afghanistan oder im Irak nun wirklich erhofft.

Allein das sorgt für Spannung. McCain hatte zudem bereits in den Vorjahren mit harscher Kritik an der Entwicklung in Russland für Aufregung gesorgt. Nun bietet ihm München die Bühne für einen Schlagabtausch nicht nur mit den aus seiner Sicht zu nachgiebigen Europäern, sondern auch mit seinem siegreichen demokratischen Gegner im US-Präsidentschaftsrennen.

Das allein dürfte der Veranstaltung den Status als zentrale Veranstaltung für das transatlantische Pulsmessen sichern. Spätestens seit dem Streit über den Irak-Krieg wird hier von Amerikanern und Europäern Tacheles gesprochen. Und die Vorbereitungen für die 45. Sicherheitskonferenz klingen bereits rekordverdächtig. Mit einem Dutzend Staats- und Regierungschefs und mehr als 30 Außen- und Verteidigungsministern rechnet Ischinger derzeit. Damit scheint München endgültig ein kleines „Davos“ der Außenpolitik zu werden. Ausdrücklich will Ischinger, der jetzt hauptberuflich für die Allianz arbeitet, auch mehr hochrangige Wirtschaftsvertreter einladen – keineswegs nur aus der Rüstungsbranche.

Denn die künftige Philosophie der früheren „Wehrkundetagung“ soll unter ihrem neuen Leiter noch stärker der internationalen Sicherheitsdebatte folgen. In dieser hat sich nämlich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Sicherheit mittlerweile nicht mehr nur vom Militär abhängt, sondern von einem breiten Spektrum von Themen, das von wirtschaftlicher Entwicklung und Klimaschutz bis zur Energieversorgung reicht.

Welche prominenten Gäste dabei mitdiskutieren werden, will Ischinger noch nicht preisgeben. Über Namen redet er prinzipiell nicht, Diplomatie ist ein verschwiegenes Geschäft. Nach Informationen dieser Zeitung hat neben John McCain aber bereits ein anderer Prominenter fest zugesagt: Erstmals wird der britischer Außenminister David Milliband, der in London für Höheres gehandelt wird, an der Veranstaltung teilnehmen. Ganz überraschend ist die Premiere eines britischen Außenministers aber nicht: Ischinger war bis vor fünfeinhalb Monaten noch deutscher Botschafter in London.

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