Sicherheitskooperation
USA und Japan rücken zusammen

Die USA und Japan wollen ihre Allianz als Sicherheitspartner weiter festigen. Darauf verständigten sich die Außenminister beider Länder, Clinton und Nakasone, in Tokio. Ein weiteres Thema ihres Gesprächs mit Nakasone war der Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm.

TOKIO. US-Außenministerin Hillary Clinton hat sich in Tokio große Mühe gegeben, Zweifel der Japaner an den Prioritäten der Regierung Barack Obama zu zerstreuen. Nippon achtet derzeit besonders auf Anzeichen dafür, dass sich die USA von ihrem wichtigsten pazifischen Verbündeten abwenden und stattdessen in Zukunft den Erzrivalen China stärker einbinden wollen. Die Japaner haben jedoch mit Wohlwollen registriert, dass ihr Inselreich das erste internationale Reiseziel Clintons ist - und dass sie mit drei Tagen recht lange bleibt. Die erfahrene Clinton verstand es gestern zudem, vor den Kameras überzeugend zu versichern, wie wichtig Japan für die USA weiterhin sei. Sie überbrachte obendrein die Einladung von US-Präsident Barack Obama, den japanischen Premier Taro Aso als ersten ausländischen Staatschef im Weißen Haus zu empfangen. Ein dicker außenpolitischer Erfolg für den angeschlagenen Spitzenpolitiker.

Doch hinter der heilen Fassade wächst die Unsicherheit. Zu offensichtlich ist, dass China als Verbündeter immer wichtiger wird und dass Obama ohne große Vorurteile auf die Wirtschaftsmacht zugehen will. "Die Wahrnehmung der Bedrohung durch China wächst seit mindestens einem Jahrzehnt kontinuierlich", sagt Sven Saaler, Politik-Professor an der Tokioter Sophia-Universität. Der Eckpfeiler der japanischen Stellung in der Welt sei seine Position als zweitgrößte Wirtschaftsmacht gewesen. Der Aufstieg Chinas drohe das zu entwerten. Japan tue sich nun schwer darin, ein außenpolitisches Profil zu finden, während China mit großem Selbstvertrauen auftrete. "Auch wenn man in Japan weiß, dass dies zum großen Teil am eigenen Unvermögen hängt, sieht man die neuen Chinesischen Aktivitäten mit Argwohn", so Saaler.

Japanische Medien schüren diesen Argwohn nach Kräften. "Obama wird Stellung Chinas betonen", lautete eine Überschrift in der Yomiuri-Zeitung. Das Wochenmagazin "Shukan Asahi" zitierte genüsslich aus einem Bericht der CIA über Verschiebungen im asiatischen Kräftegleichgewicht. Bis 2025 läge China von der Größe der Wirtschaft her auf Platz ein, dann komme Indien auf Platz zwei und schließlich Japan auf einem dritten Platz. "Im Jahr 2025 wird Japan versinken", überschrieb die Zeitschrift den Bericht in Anspielung auf einen Filmtitel. Bisher habe sich die Rolle Japans durch seine Wirtschaftskraft und seine strategische Lage direkt vor verfeindeten Ländern wie China und Nordkorea definiert. Wenn die USA sich aber mit China zunehmend besser verstehen und Japan im Ranking der Weltwirtschaften auf Platz X abrutscht - was bleibt dann noch?

Dazu kommt, dass Japan sich schwer damit tun, seinen Wert als Verbündeter durch die Entsendung von Truppen zu beweisen. Die Verfassung verpflichtet Japan offiziell zum Pazifismus. Zwar verfügt das Land über eine der größten Armeen der Welt - die Truppe nennt sich jedoch verschämt "Selbstverteidigungskraft" und darf nicht im Ausland kämpfen. Im Irak liefen die Japaner daher ohne geladene Gewehre herum, und zum Afghanistan-Einsatz darf Aso nur Tankschiffe schicken. Selbst das scheitert zuweilen am Widerstand der Opposition.

Clinton erwähnte diese Schwierigkeiten jedoch gestern mit keinem Wort. Stattdessen stellte sie sich in der Nordkoreapolitik voll hinter die japanischen Interessen. Japan war im vergangenen Jahr entsetzt gewesen, als die USA eine Streichung Nordkoreas von einer Liste der Schurkenstaaten vorantrieb, ohne die Japaner einzubeziehen. Clinton traf dagegen Angehörige von Japanern, die Nordkorea in den 80er-Jahren verschleppt hatte - deren Rückführung ist Spezialproblem, mit dem sich Japan zunehmend allein gelassen fühlte. Clinton warnte außerdem Pjöngjang davor, weitere Mittelstreckenraketen zu testen. Nordkorea hatte in der Vergangenheit bereits Flugkörper über Japan hinweg in den Pazifik geschossen, was die Sicherheit Tokios in Frage stellt. Derzeit laufen Südkoreanischen Berichten zufolge Vorbereitungen für einen neuen Start.

Im Umgang mit Nordkorea versuchen es die USA jedoch zunächst einmal mit einer versöhnlichen Note. Clinton sagte, sie bezweifle die Vorwürfe der Regierung Bush, dass Nordkorea auch Uran angereichert habe. Mit der Entwicklung einer Plutoniumbombe brüstet Pjöngjang sich offiziell selbst, ein paralleles Uranprogramm leugnet der abgeriegelte Staat jedoch. "Darüber gibt es eine Debatte unter den Geheimdienstlern", sagte Clinton auf dem Weg nach Japan. Sie sprach sich dafür aus, gleichberechtigte Verhandlungen mit Nordkorea fortzusetzen, die unter ihrem Gatten, Bill Clinton, als US-Präsident begonnen hatten. Sie kritisierte am Sonntag die Regierung George Bush dafür, mit ihrer harten Haltung eine Eskalation in den Beziehungen zu Pjöngjang zugelassen zu haben.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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